Von Abbund bis Zuhaus: 120 Fachbegriffe und regionale Wörter rund ums alte Haus, kurz erklärt und mit den passenden Beiträgen verlinkt.
Zimmerer, Denkmalpfleger und Nachbarn reden über alte Häuser in einer eigenen Sprache – teils Fachdeutsch, teils Dialekt. Hier stehen die Wörter, die dir beim Hauskauf, im Gutachten und auf der Baustelle am häufigsten begegnen. Regionale Begriffe können von Ort zu Ort etwas anderes bedeuten; im Zweifel nachfragen, was gemeint ist.
A
Abbund – Das Anreißen, Zuschneiden und probeweise Zusammenfügen aller Hölzer einer Konstruktion auf dem Zimmerplatz, bevor sie am Bau aufgerichtet wird. → Dachstuhl
Abbundzeichen – Eingeritzte oder eingeschlagene Markierungen, oft an römische Ziffern angelehnt, die festlegen, welches Holz an welche Stelle gehört. Für die Bauforschung verraten sie, ob ein Gefüge noch original zusammensteht. → Fachwerk
Andreaskreuz – Zwei sich diagonal kreuzende, miteinander verblattete Streben in einem Wandfeld. Es steift aus und schmückt zugleich, im Fachwerk wie im Bundwerk. → Fachwerk
Anschuhen – Reparatur eines Balkens oder Ständers, bei der nur das geschädigte Ende abgeschnitten und durch ein neues Stück mit zimmermannsmäßiger Verbindung ersetzt wird. Spart Originalsubstanz und ist Arbeit für den Zimmerer. → Holz im Altbau
Asbest – Faserförmiges Mineral, das bis zum Verbot Anfang der 1990er-Jahre in Faserzementplatten, Bodenbelägen, Klebern, Spachtelmassen und vielem mehr steckte. Freigesetzte Fasern sind krebserregend; nicht bohren, brechen oder schleifen, sondern Probe ins Labor und Ausbau durch den Fachbetrieb. → Schadstoffe im Altbau
Aufsteigende Feuchte – Wasser, das aus dem Boden kapillar im Mauerwerk hochzieht, weil eine Sperrschicht fehlt. Wird oft vorschnell diagnostiziert; häufig sind Spritzwasser, Salze oder Kondensat die eigentliche Ursache. → Feuchtigkeit: die fünf Ursachen
Ausblühung – Salzkristalle, die an der Wandoberfläche sichtbar werden, wenn salzhaltige Feuchte verdunstet. Weißer Flaum oder harte Krusten, meist im Sockelbereich und in ehemaligen Ställen. → Salze und Ausblühungen
Ausfachung – Die Füllung der Felder im Fachwerk, etwa aus Lehmflechtwerk, Lehmsteinen oder Ziegeln. Sie trägt nicht, sondern schließt nur den Raum. → Fachwerk
Ausgleichsfeuchte – Der Feuchtegehalt, auf den sich ein Baustoff bei gleichbleibendem Raumklima von selbst einpendelt. Bei Lehm liegt er sehr niedrig, weshalb Holz in Lehm lange gesund bleibt. → Lehm
Austrag – Das Altenteil: Wohnrecht und Versorgung der alten Bauersleute nach der Hofübergabe. Gewohnt wurde in der Austragsstube oder in einem eigenen kleinen Austragshaus am Hof. → Nebengebäude am Hof
B
Balkenkopf – Das Ende eines Deckenbalkens, das in der Außenwand aufliegt. Dort ist es kühl und oft feucht, deshalb faulen Balken fast immer vom Kopf her. → Holzbalkendecken
Bauforschung – Die systematische Untersuchung eines Gebäudes auf Bauphasen, Konstruktion und Alter, mit Aufmaß, Gefügeanalyse, Befunduntersuchung und Holzaltersbestimmung. Liefert die Grundlage für jede sinnvolle Planung am Denkmal. → Baualter bestimmen
Befund – Das, was am Bau tatsächlich vorgefunden und dokumentiert wird: Farbschichten, Baufugen, Reste alter Böden, zugesetzte Öffnungen. Eine Befunduntersuchung macht der Restaurator, bevor etwas abgeschlagen oder abgeschliffen wird. → Bestandsaufnahme
Biberschwanz – Flacher Dachziegel, meist mit rundem unteren Abschluss, verlegt in Doppel- oder Kronendeckung. Das klassische Ziegeldach auf steileren Dächern in Franken, Schwaben und der Oberpfalz. → Dachdeckungen
Blockbau – Bauweise aus waagrecht aufeinanderliegenden Balken, die an den Ecken ineinandergreifen. Die Wand trägt, schließt den Raum und dämmt zugleich. → Blockbau
Bohlenbalkendecke – Decke aus genuteten Balken, zwischen die dicke Bohlen eingeschoben sind. Typisch für Bohlenstuben, oft mit gefasten oder profilierten Balken. → Ständerbohlenbau
Bohlenstube – Wohnraum mit Wänden und Decke aus dicken Holzbohlen, über Jahrhunderte der warme, rauchfreie Raum im Haus. Steckt oft unerkannt hinter Putz oder Täfer. → Ständerbohlenbau
Böhmische Kappe – Flaches Gewölbe in Form eines Kugelausschnitts über rechteckigem Grundriss, meist aus Ziegeln zwischen Gurtbögen gemauert; in Österreich auch Platzlgewölbe genannt. Prägt viele Ställe des 19. Jahrhunderts. → Gewölbe und Kappendecken
Bruchstein – Unregelmäßige, höchstens grob zugerichtete Natursteine aus Steinbruch, Acker oder Bach. Dicke Bruchsteinwände sind meist zweischalig mit einem Füllkern aus Mörtel und Steinbrocken. → Massivbau
Bug – Bairisch für das Kopfband, ein kurzes schräges Holz zwischen Säule und Pfette oder Rähm; Mehrzahl Büge. Am Stadel und unter dem Vordach gern profiliert oder geschnitzt. → Bundwerk
Bundwerk – Sichtbares, überblattetes Balkengerüst mit innen liegender Bretterschalung, ohne Ausfachung. Zimmermannskunst an den Stadeln Südostoberbayerns, in der reichsten Form als Gitterbund. → Bundwerk
D
Dachstuhl – Im engeren Sinn das Stützgerüst aus Säulen, Pfetten und Streben, das die Dachhaut trägt; umgangssprachlich das ganze hölzerne Dachwerk. → Dachstuhl
Dampfbremse – Schicht, die den Durchgang von Wasserdampf begrenzt, aber nicht völlig unterbindet – im Unterschied zur Dampfsperre. Im Altbau heikel, weil sie an den vielen Anschlüssen kaum dauerhaft dicht zu bekommen ist. → Innendämmung
Dendrochronologie – Altersbestimmung von Holz über das Muster seiner Jahrringe. Aus Bohrkernen lässt sich im günstigen Fall das Fälljahr eines Balkens bestimmen – die verlässlichste Methode, ein Holzgefüge zu datieren. → Baualter bestimmen
Diffusionsoffen – Durchlässig für Wasserdampf. Diffusionsoffene Bauteile können Feuchte, die hineingeraten ist, wieder abgeben; das ist die Grundlage fast jeder verträglichen Altbausanierung. → Dämmstoffe für den Altbau
Dreiseithof – Hofanlage aus drei um einen Hof gruppierten Gebäuden, zur Straße hin offen oder mit Mauer und Tor geschlossen. → Hofformen im Überblick
E
Einfirsthof – Hofform, bei der Wohnteil, Stall und Stadel unter einem durchgehenden First hintereinanderliegen. Auch Einhaus genannt. → Der oberbayerische Einfirsthof
F
Fachwerk – Holzskelett aus Schwelle, Ständern, Riegeln, Streben und Rähm, dessen Felder ausgefacht sind. → Fachwerk
Fehlboden – Zwischenboden in der Holzbalkendecke: Bretter oder Schwartlinge, die seitlich zwischen den Balken auf Leisten liegen und die Schüttung tragen. Auch Einschub genannt. → Holzbalkendecken
Feldbrandziegel – Ziegel, die nicht in einer festen Ziegelei, sondern in einem vor Ort aufgesetzten Meiler gebrannt wurden. Entsprechend ungleichmäßig in Farbe, Form und Härte. → Ziegel und Backstein
First – Die obere waagrechte Kante des Dachs, an der zwei Dachflächen zusammentreffen. Die Firstrichtung ist ein wichtiges Merkmal von Hausformen. → Dachstuhl
Flechtwerk – Geflecht aus Weiden- oder Haselruten um senkrechte Staken, das beidseitig mit Strohlehm beworfen wird. Die klassische Ausfachung im Fachwerk. → Lehm
Fletz – Auch Flez oder Fleez: der Hausflur im altbayerischen Bauernhaus, oft quer durchs ganze Haus von der Haustür bis zur Hintertür oder zum Stall. Häufig mit Steinplatten oder Ziegeln gepflastert, manchmal gewölbt. → Der oberbayerische Einfirsthof
Fußband – Kurzes schräges Holz zwischen Schwelle und Ständer, das den Knoten aussteift. Das Gegenstück oben heißt Kopfband. → Fachwerk
G
Gefach – Das Feld zwischen den Hölzern einer Fachwerkwand. Die Füllung darin heißt Ausfachung. → Fachwerk
Gewände – Die seitliche Einfassung einer Tür- oder Fensteröffnung aus Werkstein, Ziegeln oder Holz. Bei Natursteingewänden sind oft Jahreszahlen oder Initialen eingehauen. → Türen, Tore und Beschläge
Gipsmarke – Dünner Gipsstreifen, der quer über einen Riss gesetzt und datiert wird. Reißt er, bewegt sich der Riss noch. → Risse und Setzungen
Gitterbund – Die aufwendigste Form des Bundwerks: ein enges Rautengitter aus vielen sich kreuzenden, überblatteten Schräghölzern, meist als Band im oberen Wandbereich des Stadels. → Bundwerk
Gred – Befestigter, leicht erhöhter Streifen entlang der Eingangsseite des Bauernhauses, mit Steinplatten oder Pflaster belegt und vom Dachüberstand geschützt. Trockener Weg, Arbeitsplatz und Hausbank-Standort in einem. → Der oberbayerische Einfirsthof
Gurtbogen – Kräftiger gemauerter Bogen, der ein Gewölbefeld begrenzt und dessen Last auf Pfeiler oder Säulen bringt. → Gewölbe und Kappendecken
H
Handstrichziegel – Von Hand in eine Holzform gestrichener Ziegel, erkennbar an unregelmäßigen Kanten, Fingerspuren und wechselnden Formaten. Üblich, bis sich im späteren 19. Jahrhundert die maschinelle Fertigung durchsetzte. → Ziegel und Backstein
Hausbock – Käfer, dessen Larven jahrelang im Splintholz von Nadelholz fressen, bevorzugt im warmen Dachstuhl. Typisch sind ovale Ausfluglöcher; ob der Befall aktiv ist, beurteilt ein Sachverständiger. → Holzschädlinge
Hausschwamm – Der Echte Hausschwamm ist der gefährlichste holzzerstörende Pilz im Gebäude, weil er Mauerwerk durchwachsen und sich über trockene Bereiche hinweg ausbreiten kann. Bestimmung und Sanierung sind Sache von Fachleuten. → Hausschwamm
Hirnholz – Die quer zur Faser geschnittene Stirnfläche eines Holzes. Sie saugt Wasser um ein Vielfaches stärker als die Längsseite und braucht deshalb konstruktiven Schutz. → Holz im Altbau
Holznagel – Geschnitzter Stift aus zähem, trockenem Holz, der Zapfen- und Blattverbindungen sichert. Historische Holzgefüge kommen ganz ohne Eisen aus. → Fachwerk
Horizontalsperre – Waagrechte Sperrschicht im Mauerwerk gegen aufsteigende Feuchte. Alte Häuser haben in der Regel keine; nachträgliche Verfahren gehören sorgfältig geprüft. → Mauerwerk trockenlegen
Hydrophobierung – Wasserabweisende Tränkung von Putz-, Stein- oder Ziegeloberflächen. Kann Schlagregen abhalten, aber auch Feuchte und Salze hinter der Oberfläche einsperren; nie pauschal anwenden. → Putz und Fassade
I
Innendämmung – Dämmung auf der Raumseite der Außenwand, wenn außen nicht gedämmt werden kann oder darf. Funktioniert im Altbau nur maßvoll, kapillaraktiv und hohlraumfrei. → Innendämmung
J
Jurahaus – Haustyp des Altmühljura mit dicken Kalkbruchsteinmauern, flach geneigtem Dach und einer Deckung aus Legschiefer. → Jurahaus
K
Kalkputz – Putz mit Kalk als Bindemittel: weich, diffusionsoffen, kapillar leitfähig und leicht alkalisch. Der passende Putz für fast jedes alte Mauerwerk. → Kalk
Kämpfer – Bei Gewölben und Bögen die Linie, an der die Wölbung auf der Wand ansetzt; bei Fenstern das feste waagrechte Holz zwischen unteren Flügeln und Oberlicht. → Gewölbe und Kappendecken
Kapillaraktiv – Eigenschaft von Baustoffen, flüssiges Wasser in ihren Poren aufzunehmen, weiterzuleiten und an anderer Stelle wieder verdunsten zu lassen. Entscheidend für funktionierende Innendämmungen und Putze. → Innendämmung
Kastenfenster – Fenster mit zwei hintereinanderliegenden Flügelebenen in einem gemeinsamen Rahmen. Der Luftraum dazwischen dämmt besser, als viele annehmen. → Historische Fenster
Kniestock – Das Wandstück zwischen der obersten Geschossdecke und dem Dachfuß, auch Drempel genannt. Im Bauernhaus oft aus Holz auf gemauerten Geschossen. → Mischbauweise
Kopfband – Kurzes schräges Holz zwischen Ständer und Rähm oder Pfette, das den Knoten aussteift; bairisch Bug. → Dachstuhl
Kreuzgratgewölbe – Gewölbe aus zwei sich rechtwinklig durchdringenden Tonnen. Die Schnittlinien bilden Grate, die Last läuft in die vier Ecken. → Gewölbe und Kappendecken
L
Laibung – Die seitliche Innenfläche einer Maueröffnung. An ihrer Tiefe lässt sich die Wandstärke ablesen – und damit oft die Bauweise. → Massivbau
Laube – Hölzerner Balkon oder Laubengang am Obergeschoss des Bauernhauses, regional auch Schrot genannt. Diente zum Trocknen und schützt die Wand darunter vor Regen. → Der oberbayerische Einfirsthof
Legschiefer – Dachdeckung des Jurahauses aus dünnen Kalksteinplatten, die in mehreren Lagen lose auf dem flach geneigten Dach liegen. Sehr schwer, sehr dauerhaft. → Jurahaus
Legschindel – Große gespaltene Holzschindeln, die auf flach geneigten Dächern lose in mehreren Lagen verlegt und mit Stangen und Steinen beschwert werden. Die alte Deckung im Alpenraum. → Dachdeckungen
Lehmwickel – Mit Strohlehm umwickelte Holzstaken, die dicht an dicht zwischen Deckenbalken oder in Gefache eingesetzt werden. → Lehm
Leinölfarbe – Anstrich aus Leinöl und Pigmenten, der ins Holz eindringt, elastisch bleibt und abwittert, statt abzublättern. Der klassische Anstrich für Fenster, Türen und Holzwerk. → Historische Anstriche
Liegender Stuhl – Dachstuhl, dessen Stuhlsäulen schräg entlang der Dachfläche stehen, sodass der Dachraum frei bleibt. → Dachstuhl
Luftkalk – Kalk, der allein durch Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft erhärtet. Langsam, weich und sehr diffusionsoffen. → Kalk
M
Mauerlatte – Auch Mauerschwelle: das Holz, das auf der Mauerkrone liegt und Deckenbalken oder Dachwerk trägt. Wegen des Kontakts zum Mauerwerk feuchtegefährdet. → Dachstuhl
Mischbauweise – Kombination mehrerer Bauweisen in einem Haus, am häufigsten gemauertes Erdgeschoss mit Obergeschoss aus Holz. → Mischbauweise
N
Nagekäfer – Der Gewöhnliche Nagekäfer, volkstümlich Holzwurm, hinterlässt kleine runde Ausfluglöcher und feines Bohrmehl. Er bevorzugt kühlere, etwas feuchtere Bereiche; in dauerhaft beheizten Räumen stirbt der Befall oft von selbst ab. → Holzschädlinge
Nagelfluh – Natürlich verkittetes Konglomerat aus gerundeten Flusskieseln, das aussieht wie grober Beton. Bau- und Werkstein im Alpenvorland. → Naturstein in Bayern
Natürlicher hydraulischer Kalk (NHL) – Kalk, der teils mit Wasser, teils mit Kohlendioxid aus der Luft erhärtet. Fester und feuchtebeständiger als Luftkalk, aber deutlich weicher und offener als Zement. → Kalk
O
Opferputz – Weicher Kalkputz, der auf salzbelastetem Mauerwerk bewusst als Verschleißschicht aufgebracht wird. Er nimmt die Salze auf und wird nach einigen Jahren erneuert. → Salze und Ausblühungen
Ortgang – Der seitliche Rand der Dachfläche am Giebel. → Dachdeckungen
P
PAK – Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, enthalten in teerhaltigen Produkten wie alten Parkettklebern, Teerpappen und Teeranstrichen. Teilweise krebserregend; Verdachtsmaterial gehört ins Labor, der Ausbau zum Fachbetrieb. → Schadstoffe im Altbau
Pfette – Waagrechter Längsbalken im Dach, parallel zum First, auf dem die Sparren aufliegen. Je nach Lage Fuß-, Mittel- oder Firstpfette. → Dachstuhl
Pfettendach – Dachwerk, bei dem die Sparren – in Bayern oft Rofen genannt – auf Pfetten liegen. Typisch für die flach geneigten Dächer im Alpen- und Voralpenraum. → Dachstuhl
Preußische Kappe – Decke aus flachen Ziegelgewölben zwischen parallelen Stahlträgern, verbreitet etwa ab den 1870er-Jahren in Ställen, Kellern und Werkstätten. → Gewölbe und Kappendecken
Putzträger – Schilfrohrmatten, Holzleisten oder Drahtgewebe, die auf Holz befestigt werden, damit Putz daran haftet. → Putz und Fassade
R
Rähm – Der waagrechte obere Abschluss einer Fachwerk- oder Ständerwand. Er verbindet die Ständerköpfe und trägt Deckenbalken oder Dachwerk. → Fachwerk
Rauchkuchl – Küche mit offenem Herdfeuer ohne geschlossenen Kamin; der Rauch zog frei durch den Raum nach oben ab. Erkennbar an rußgeschwärzten Balken und Wänden. → Kachelofen, Herd und Kamin
Reichsformat – Das 1872 im Deutschen Reich eingeführte einheitliche Ziegelformat von 25 × 12 × 6,5 cm. Ein nützlicher Datierungshinweis für Mauerwerk. → Ziegel und Backstein
Riegel – Waagrechtes Holz zwischen zwei Ständern. Als Brust- und Sturzriegel begrenzt er Fensteröffnungen. → Fachwerk
S
Salpeter – Volkstümlicher Sammelbegriff für Salzausblühungen an Mauern, vor allem für Nitrate aus Stall und Abort. → Salze und Ausblühungen
Sanierputz – Porenreicher Spezialputz, der Salze in seinen Poren einlagert und an der Oberfläche trocken bleibt. Er kaschiert das Problem für eine begrenzte Zeit, beseitigt aber keine Ursache. → Mauerwerk trockenlegen
Schlagregen – Vom Wind gegen die Fassade getriebener Regen, die größte Feuchtebelastung für Wetterseiten. Historische Antworten sind Dachüberstand, Schindelschirm und Verbretterung. → Putz und Fassade
Schrot – Im Bairischen je nach Gegend die Eckverbindung des Blockbaus mit ihren vorstehenden Balkenköpfen oder der hölzerne Balkon am Obergeschoss. → Blockbau
Schüttung – Füllmaterial in Holzbalkendecken und über Gewölben: Lehm, Sand, Bauschutt, Spreu, später auch Schlacke. Bei unklarem Material vor dem Ausräumen auf Schadstoffe prüfen lassen. → Holzbalkendecken
Schwalbenschwanz – Trapezförmig geschnittene Holzverbindung, die auf Zug belastbar ist. Im Blockbau als bündige Eckverzinkung, im Fachwerk an Blättern von Kopf- und Fußbändern. → Blockbau
Schwelle – Der unterste waagrechte Balken einer Holzwand, auf dem alles Weitere steht. Wegen Spritzwasser und Erdnähe das am häufigsten geschädigte Bauteil; der Austausch ist Fachleistung. → Fachwerk
Setzung – Absenkung eines Bauteils oder Gebäudes, im Massivbau durch nachgebenden Baugrund, im Blockbau durch das Schwinden der liegenden Hölzer. → Risse und Setzungen
Sockel – Der unterste, spritzwasserbelastete Teil der Außenwand. Hier entscheidet sich, ob ein Haus trocken bleibt: Gelände niedrig halten, Wasser wegführen, keine dichten Putze. → Fundament und Sockel
Solnhofener Platten – Dünnschichtiger Plattenkalk aus dem Altmühljura, seit Jahrhunderten Bodenbelag in Fluren, Küchen und Kirchen. → Böden im Altbau
Sparren – Die schräg vom First zur Traufe laufenden Hölzer, die die Dachhaut tragen; beim Pfettendach in Bayern auch Rofen genannt. → Dachstuhl
Sparrendach – Dachwerk, bei dem je zwei Sparren mit dem Deckenbalken ein unverschiebliches Dreieck bilden. Typisch für steile Dächer, etwa in Franken. → Dachstuhl
Ständer – Senkrechtes tragendes Holz in einer Wand, auch Stiel, Pfosten oder Säule genannt. → Fachwerk
Ständerbohlenbau – Holzskelett aus genuteten Ständern, in die massive Bohlen als Wandfüllung eingeschoben sind. → Ständerbohlenbau
Stehender Stuhl – Dachstuhl mit senkrechten Stuhlsäulen, die die Pfetten tragen. → Dachstuhl
Strebe – Schräges Holz in einer Wand oder im Dachwerk, das Schub- und Windkräfte ableitet. Wer Streben herausnimmt, nimmt dem Gefüge die Aussteifung. → Fachwerk
Stube – Der beheizte, rauchfreie Hauptwohnraum des Bauernhauses, meist an der Hausecke mit Fenstern nach zwei Seiten, mit Ofen, Eckbank und Herrgottswinkel. → Ständerbohlenbau
Sumpfkalk – Gelöschter Kalk, der als Teig unter Wasser gelagert wurde. Bindemittel für feine Putze, Mörtel und Kalkfarben. → Kalk
T
Täfer – Hölzerne Wand- oder Deckenverkleidung aus Brettern oder Rahmen und Füllungen, in Altbayern auch Täfelung oder Vertäfelung. Dahinter verbergen sich oft ältere Oberflächen. → Ständerbohlenbau
Taupunkt – Die Temperatur, bei der Luft ihren Wasserdampf nicht mehr halten kann und Tauwasser ausfällt. Liegt eine Bauteiloberfläche darunter, wird sie nass. → Schimmel im Altbau
Tenne – Befestigter Dresch- und Arbeitsboden im Stadel, zugleich Durchfahrt für den Erntewagen. Je nach Hofform ebenerdig oder im Obergeschoss über eine Auffahrt erreichbar. → Nebengebäude am Hof
Tonnengewölbe – Gewölbe mit halbrundem oder segmentbogenförmigem Querschnitt, das über die ganze Raumlänge durchläuft und auf den beiden Längswänden lagert. Der Klassiker im Keller. → Gewölbe und Kappendecken
Traufe – Die untere waagrechte Kante der Dachfläche, an der das Wasser abtropft. Traufseitig heißt: an der Längsseite des Dachs. → Dachdeckungen
Treibladen – Keilförmige Bohle in einer Bohlenbalkendecke, die durch die Außenwand ragt und nachgeschlagen werden konnte, wenn die Bohlen geschwunden waren. → Ständerbohlenbau
Troadkasten – Bairisch für Getreidekasten: kleiner, meist freistehender Speicherbau in Blockbauweise, abseits des Hauses errichtet, damit die Vorräte einen Brand überstehen. → Nebengebäude am Hof
Tuff – Poröser, leichter Kalkstein (Kalktuff), der sich bruchfrisch gut sägen lässt und an der Luft nachhärtet. Verbreiteter Baustein im Alpenvorland. → Naturstein in Bayern
U
U-Wert – Wärmedurchgangskoeffizient in W/(m²K): wie viel Wärme durch einen Quadratmeter Bauteil je Grad Temperaturunterschied verloren geht. Je kleiner, desto besser gedämmt. → Dämmstoffe für den Altbau
V
Verblattung – Holzverbindung, bei der zwei Hölzer flächig überlappen und jeweils zur Hälfte ausgenommen sind. Bei älteren Gefügen die übliche Verbindung für Streben und Bänder. → Fachwerk
Verkämmung – Verbindung zweier sich kreuzender Hölzer über ausgestemmte Kerben, die ineinandergreifen. Die klassische Eckverbindung im Blockbau. → Blockbau
Vierseithof – Hofanlage aus vier Gebäuden, die einen Innenhof vollständig umschließen. → Der Vierseithof in Niederbayern
Vierung – Passgenau eingesetztes Stück Holz oder Stein, mit dem eine Fehlstelle repariert wird, ohne das ganze Bauteil zu ersetzen. → Holz im Altbau
W
Waldlerhaus – Das traditionelle Bauernhaus des Bayerischen Waldes: breit gelagert, flach geneigtes Dach, Holzbau auf gemauertem Sockel oder Erdgeschoss. → Waldlerhaus
Wärmebrücke – Stelle der Gebäudehülle, an der mehr Wärme abfließt als daneben: Außenecken, Fensterlaibungen, einbindende Decken. Die Oberfläche ist dort kälter, deshalb sitzt hier zuerst der Schimmel. → Schimmel im Altbau
Widerkehr – Regional, etwa im Allgäu und in Oberbayern: ein quer zum Hauptfirst angesetzter Gebäudeflügel, dessen Dach in das Hauptdach einschneidet. → Allgäuer und schwäbische Bauernhäuser
Widerlager – Das Bauteil, das den seitlichen Schub eines Gewölbes oder Bogens aufnimmt – meist eine dicke Wand. Wer ein Widerlager schwächt, gefährdet das Gewölbe. → Gewölbe und Kappendecken
Winterfenster – Zusätzliches Fenster, das im Herbst außen vor das eigentliche Fenster gehängt und im Frühjahr wieder abgenommen wird. Der Vorläufer des Kastenfensters. → Historische Fenster
Z
Zapfen – Zurückgeschnittenes Balkenende, das in ein passendes Zapfenloch greift und mit einem Holznagel gesichert wird. → Fachwerk
Zementputz – Harter, dichter Putz mit Zement als Bindemittel. Auf altem Mauerwerk und Holz behindert er die Verdunstung und verlagert Feuchte- und Salzschäden. → Zement im Altbau
Zuganker – Eisen- oder Stahlstab, der auseinanderstrebende Bauteile zusammenhält, etwa die Widerlager eines Gewölbes oder zwei Außenwände. Außen oft an einer Ankerplatte oder einem Splint erkennbar; niemals durchtrennen. → Gewölbe und Kappendecken
Zuhaus – Vor allem in Oberbayern gebräuchlich: kleines Nebenwohnhaus am Hof, meist als Austragshaus für die Altbauern genutzt. → Nebengebäude am Hof