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Holz: Arten, Qualitäten, Altholz

Licht

Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer, Eiche: welche Hölzer im alten Haus stecken, was Kern, Splint und Holzfeuchte bedeuten und wie Holz ohne Chemie alt wird.

In einem alten Bauernhaus ist Holz überall: im Dachstuhl, in den Decken, in Blockwänden, Böden, Fenstern und Türen. Vieles davon steht seit 200 oder 300 Jahren, ohne je einen Tropfen Holzschutzmittel gesehen zu haben. Das liegt nicht an einem Geheimnis der alten Zimmerer, sondern an drei Dingen: dem richtigen Holz an der richtigen Stelle, trocken eingebaut und trocken gehalten.

Die Holzarten im Bestand

Holzart Erkennungszeichen Kernholz Typische Verwendung
Fichte hell, gelblich-weiß, Harzgallen, kein Farbkern wenig dauerhaft Dachstuhl, Deckenbalken, Blockwände, Dielen, Schalung
Tanne ähnlich wie Fichte, eher grau-weiß, kein Harz wenig dauerhaft wie Fichte, oft gemischt verbaut
Lärche rötlicher Kern, schmaler heller Splint, schwer, harzig mäßig bis wenig dauerhaft Schindeln, Fassaden, Schwellen, Brunnentröge, Fenster
Kiefer breiter gelblicher Splint, rotbrauner Kern, große Äste mäßig bis wenig dauerhaft Dielen, Fenster, Türen, Balken, vor allem in Nordbayern
Eiche schwer, hart, grobe Poren, glänzende „Spiegel” im Längsschnitt dauerhaft Fachwerk, Schwellen, Türstöcke, Treppen, Nägel

Fichte ist das Brot-und-Butter-Holz des bayerischen Hausbaus: leicht, tragfähig, gut zu bearbeiten und reichlich vorhanden. Dauerhaft gegen Pilze und Insekten ist sie nicht. Sie hält, solange sie trocken bleibt.

Tanne wurde meist nicht von der Fichte unterschieden und landete im selben Dachstuhl. Sie hat keine Harzkanäle, also auch keine Harzgallen, und gilt bei wechselnder Feuchte als etwas gutmütiger. In den Bergwäldern der Alpen und des Bayerischen Waldes war sie früher viel häufiger als heute.

Lärche ist das Holz für alles, was Wetter abbekommt. Ihr harzreiches Kernholz hält deutlich länger als Fichte. Im Alpenraum wurden daraus Schindeln, Balkone und Schwellen gemacht.

Kiefer, im Süden auch Föhre genannt, prägt die sandigen Gegenden der Oberpfalz und Frankens. Ihr Kern ist ähnlich brauchbar wie der der Lärche, der breite Splint dagegen anfällig für Bläue und Insekten.

Eiche ist das Fachwerkholz Frankens und überall dort zu finden, wo es auf Härte und Dauer ankam: Schwellen, Türstöcke, Treppenstufen. Eiche enthält Gerbsäure. Die färbt das Holz bei Kontakt mit Eisen und Wasser blauschwarz und greift Eisen an. Deshalb halten alte Eichenverbindungen mit Holznägeln.

Altes Holz ist vergraut oder nachgedunkelt, und die Art ist an der Oberfläche oft kaum zu bestimmen. Ein frischer Anschnitt an unauffälliger Stelle hilft, im Zweifel weiß es der Zimmerer.

Kern und Splint

Im Stammquerschnitt liegt außen der Splint: das junge, lebende Holz, das Wasser leitet. Er ist nährstoffreich und bei jeder Holzart anfällig, auch bei Eiche. Innen liegt der Kern, in den der Baum bei manchen Arten Harze und Gerbstoffe einlagert. Bei Lärche, Kiefer und Eiche ist er farblich deutlich abgesetzt und viel dauerhafter als der Splint. Fichte und Tanne haben keinen solchen Farbkern und deshalb auch keinen eingebauten Schutz.

Praktisch heißt das: Der Hausbock, der gefürchtetste Schädling im Dachstuhl, frisst im Splint von Nadelholz. Bei Kiefer und Lärche bleibt der Kern meist verschont, bei Fichte kann es den ganzen Querschnitt treffen. Wie du alten von aktivem Befall unterscheidest, steht unter Holzschädlinge.

Alte Balken zeigen oft noch die runde „Waldkante” des Stamms. Man hat den Baum so knapp wie möglich kantig geschlagen. Ebenfalls lesbar sind die Werkzeugspuren: flache Hiebe vom Breitbeil bei gebeilten Balken, gerade parallele Riefen von der Gattersäge, bogenförmige von der Kreissäge. Das hilft beim Baualter bestimmen.

Holzfeuchte: die Zahl, auf die es ankommt

Holz nimmt Feuchte auf und gibt sie ab, solange es existiert. Dabei quillt und schwindet es: längs zur Faser fast gar nicht, quer dazu um mehrere Prozent, und in Richtung der Jahresringe etwa doppelt so stark wie quer zu ihnen. Deshalb werfen sich Dielen, und deshalb reißen dicke Balken beim Trocknen auf. Solche Trockenrisse sind normal und in aller Regel harmlos. Wer unsicher ist, fragt einen Tragwerksplaner.

Zwei Grenzen solltest du kennen:

  • Pilze brauchen dauerhaft feuchtes Holz. Als Faustwert gilt eine Holzfeuchte über etwa 20 Prozent. Darunter haben Hausschwamm und Kollegen keine Chance. Alles dazu unter Hausschwamm und andere Holzpilze.
  • Einbaufeuchte: Holz soll so trocken eingebaut werden, wie es später im Gebrauch sein wird. In beheizten Räumen pendelt es sich grob um 10 Prozent ein, im kalten, belüfteten Dachstuhl und unter Dach im Freien um etwa 15 Prozent. Wer sägefrisches Holz in die warme Stube einbaut, bekommt Fugen, Risse und Verformungen. Wer nasses Holz hinter einer Verkleidung einsperrt, bekommt Schlimmeres.

Ein einfaches Holzfeuchte-Prüfgerät mit Einstechnadeln kostet wenig und gibt beim Hauskauf wie bei der Sanierung gute Hinweise, vor allem an Balkenköpfen, Schwellen und unter Bädern.

Konstruktiver Holzschutz

Konstruktiver Holzschutz bedeutet: so bauen, dass Holz gar nicht erst dauerhaft nass wird oder schnell wieder trocknet. Das alte Bauernhaus ist voll davon.

  • Weiter Dachüberstand, der Wand und Balkon vor Regen schützt.
  • Steinsockel, der die Schwelle aus dem Spritzwasser hebt, als Faustregel rund 30 Zentimeter über dem Gelände. Wo später das Gelände aufgefüllt oder ein Pflaster hochgezogen wurde, fault die Schwelle. Mehr unter Fundament und Sockel.
  • Hirnholz schützen. Über die Stirnseiten saugt Holz Wasser wie ein Bündel Strohhalme. Deshalb sind Balkenköpfe abgedeckt, verbrettert oder zurückgesetzt.
  • Wasser ablaufen lassen: schräge Flächen, Tropfkanten, keine waagrechten Fugen, in denen Wasser steht.
  • Luft ans Holz. Balkenköpfe im Mauerwerk lagen traditionell trocken und mit etwas Luft, nicht satt in Mörtel. Hinterlüftete Schalungen trocknen nach jedem Regen ab.
  • Keine dichten Schichten. Dicke Lacke, Folien, Zementputz und Bauschaum am Holz halten Wasser fest, das durch den ersten Riss eindringt.

Chemischer Holzschutz ist in Wohnräumen in der Regel unnötig. Umgekehrt wurde zwischen etwa den 1950er- und 1980er-Jahren sehr viel Holz mit Mitteln behandelt, die heute als gesundheitsschädlich gelten. Ein Dachstuhl aus dieser Zeit oder einer, der damals „saniert” wurde, wird nicht geschliffen, gebürstet oder gestrahlt, bevor ein Labor eine Probe untersucht hat. Hintergründe stehen unter Schadstoffe im Altbau.

Altholz wiederverwenden

Alte Balken, Dielen und Bretter sind gutes Material: langsam gewachsen, seit Jahrzehnten trocken und entsprechend ruhig. Bevor du sie wieder einbaust, prüfst du:

  • Befall: Alte Fluglöcher sind kein Problem, frisches helles Bohrmehl schon.
  • Fäule: Mit dem Schraubenzieher einstechen. Gesundes Holz leistet Widerstand und splittert langfaserig, faules bricht kurz und würfelig.
  • Metall: Alte Nägel ruinieren jedes Sägeblatt.
  • Vorgeschichte: Holz aus Ställen, aus behandelten Dachstühlen oder mit dunklen, öligen Anstrichen kann belastet sein.

Für Verkleidungen, Böden und Möbel kannst du Altholz nach dieser Prüfung gut selbst verwenden. Soll es wieder tragen, beurteilen Zimmerer oder Tragwerksplaner Querschnitt und Qualität.

Für Reparaturen am Tragwerk gilt das Gleiche. Ein angefaulter Balkenkopf oder eine morsche Schwelle wird zimmermannsmäßig ersetzt: schadhaftes Stück heraus, passendes trockenes Holz derselben Art mit einer Blattverbindung angesetzt. Das ist Facharbeit, ebenso wie alles am Dachstuhl. Was du selbst gut machen kannst: Dielen aufarbeiten, Oberflächen ölen, nicht tragende Schalungen erneuern.

Typische Fehler

  • Balkenköpfe und Schwellen einbetonieren oder mit Zementmörtel zuschmieren.
  • Bewittertes Holz mit dickem, filmbildendem Lack streichen. Der Film reißt, Wasser kriecht dahinter und kommt nicht mehr heraus.
  • Alte Balken sandstrahlen. Das weiche Frühholz wird herausgerissen, zurück bleibt eine raue Waschbrettoberfläche ohne Patina.
  • Feuchtes Holz einbauen und sofort verkleiden.
  • Wegen ein paar alter Wurmlöcher gesunde Balken austauschen oder vorsorglich Gift spritzen lassen.
  • Gelände, Pflaster oder Dämmung bis an die Holzschwelle hochziehen.

Kurz gesagt

  • Fichte und Tanne tragen das Haus, Lärche und Eiche halten das Wetter aus, Kiefer steckt vor allem in Nordbayern in Böden und Fenstern.
  • Dauerhaft ist nur das Kernholz bestimmter Arten, Splint ist immer anfällig.
  • Unter etwa 20 Prozent Holzfeuchte haben Pilze keine Chance. Trocken halten ist der beste Holzschutz.
  • Konstruktiver Holzschutz heißt Dachüberstand, Sockel, Luft und keine dichten Schichten.
  • Altholz ist wertvoll, aber vor dem Wiedereinbau auf Befall, Fäule, Metall und Belastung prüfen.
  • Tragende Reparaturen macht der Zimmerer, Schadstoffverdacht klärt das Labor.

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