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Naturstein: Tuff, Nagelfluh, Kalkstein, Granit, Sandstein

Licht

Welche Steine in bayerischen Häusern stecken, woran du sie erkennst, wie sie mit Feuchte umgehen und warum die Fuge weicher sein muss als der Stein.

Steine sind schwer, und bis zur Eisenbahn war jeder Kilometer Transport teuer. Gebaut wurde deshalb mit dem, was der Boden in Fuhrwerksnähe hergab. Das Ergebnis ist eine Art geologische Landkarte aus Häusern: Granit im Bayerischen Wald, Sandstein in Franken, Kalkplatten im Altmühltal, Tuff und Nagelfluh im Voralpenland. Wer den Stein seines Hauses kennt, weiß schon viel darüber, wie die Wand mit Wasser, Frost und Salz umgeht.

Die wichtigsten Gesteine im Überblick

Die regionale Zuordnung ist grob gemeint. Steine wurden auch gehandelt, auf Flüssen verschifft und aus Abbruchhäusern wiederverwendet.

Gestein Wo typisch Eigenschaften Verwendung am Haus
Kalktuff Voralpenland, Quellgebiete der Alb porös, leicht, bruchfrisch weich Mauerwerk, Gewölbe, Sockel, Gewände
Nagelfluh Alpenvorland, Allgäu, Inn- und Salzachraum grobes Konglomerat, unterschiedlich fest Sockel, Fundamente, Tür- und Fenstergewände
Kalkstein Fränkische Alb, Altmühltal, Alpen, Mainfranken dicht bis porös, säureempfindlich Mauerwerk, Bodenplatten, Dachplatten, Stufen
Granit und Gneis Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald, Fichtelgebirge sehr hart, dicht, kaum saugend Sockel, Gewände, Stufen, Tröge, Säulen
Sandstein Franken, Spessart, teils Voralpenland saugfähig, Qualität hängt am Bindemittel Quadermauerwerk, Gewände, Zierteile

Kalktuff

Kalktuff entsteht dort, wo kalkreiches Quellwasser austritt und der Kalk sich an Moosen und Pflanzenresten absetzt. Das Ergebnis ist ein löchriger, leichter Stein, der bruchfrisch so weich ist, dass man ihn sägen kann, und an der Luft nachhärtet. Wegen des geringen Gewichts war er beliebt für Gewölbe, außerdem für Sockel und Gewände. Für einen Stein dämmt er verhältnismäßig gut. Mit vulkanischem Tuff hat er nur den Namen gemein. Ein Sonderfall ist der Suevit aus dem Nördlinger Ries, ein Gestein, das beim Meteoriteneinschlag entstand und dort als Baustein genutzt wurde.

Nagelfluh

Nagelfluh ist von der Natur verkitteter Flussschotter: runde Kiesel in einer kalkigen Grundmasse, im Volksmund „Herrgottsbeton”. Die Steinköpfe schauen aus der Fläche wie Nagelköpfe aus einem Brett, daher der Name. Im Alpenvorland findest du ihn an Sockeln, Fundamenten, Tür- und Fenstergewänden und an vielen Kirchen. Wie fest er ist, hängt von der Verkittung ab. Gute Bänke halten Jahrhunderte, schlecht verkittete Partien sanden ab und leiden unter Frost.

Kalkstein

In der Fränkischen Alb kommt Kalkstein in zwei Formen vor. Der dickbankige Jurakalk gibt Mauersteine und polierfähige Platten. Der Plattenkalk aus der Gegend um Solnhofen und Eichstätt spaltet in dünne, ebene Tafeln. Daraus sind die berühmten Solnhofener Bodenplatten und die Kalkplattendächer, die das Jurahaus unverwechselbar machen. Wie man solche Böden pflegt, steht unter Böden im Altbau.

In den Alpen wurden polierfähige, oft rötliche oder gefleckte Kalksteine gebrochen und als „Marmor” gehandelt, für Türgewände, Stufen und Weihwasserbecken. In Mainfranken ist es der Muschelkalk. Allen Kalksteinen gemeinsam: Sie vertragen keine Säure. Essigreiniger, Zementschleierentferner und saure Steinreiniger fressen die Oberfläche an.

Granit und Gneis

Im Bayerischen Wald, im Oberpfälzer Wald und im Fichtelgebirge ist Granit der Hausstein schlechthin. Er ist extrem hart, dicht und frostfest, aber mühsam zu bearbeiten. Deshalb findest du ihn als grob zugerichtete Quader und Lesesteine im Mauerwerk und als sauber gearbeitete Werkstücke dort, wo es drauf ankam: Türgewände, Fensterstöcke, Stufen, Wassertröge, Torsäulen.

Granit saugt kaum Wasser. Feuchte wandert in einer Granitmauer fast nur über die Fugen. Und er leitet Wärme gut: Granitwände sind kalt, im Sommer schlägt sich an ihnen gern Luftfeuchte nieder, besonders im Keller. In Granitgebieten ist außerdem Radon ein Thema, ein natürliches radioaktives Gas aus dem Untergrund. Das kommt weniger aus den Mauersteinen als aus dem Boden. Ob dein Haus betroffen ist, klärt nur eine Radonmessung; Informationen gibt es bei den zuständigen Landes- und Bundesbehörden.

Sandstein

Franken ist Sandsteinland: roter Buntsandstein im Spessart und am Untermain, gelbliche, grünliche und rötliche Keupersandsteine in Mittel- und Oberfranken. Auch im Voralpenland und an der Donau wurden örtlich Sandsteine gebrochen. Sandstein ist verkitteter Sand, und alles hängt am Kitt. Kieselig gebundener Sandstein ist hart und dauerhaft. Tonig oder kalkig gebundener verwittert schneller: Er sandet ab, bildet Schalen, die sich flächig lösen, oder blättert entlang seiner Schichtung auf. Sandstein saugt Wasser kapillar, also wie ein Schwamm durch feine Poren. Damit wandern auch gelöste Salze ein. Sockelzonen und alte Stallwände zeigen das deutlich, siehe Salze und Ausblühungen.

Bruchstein, Lesestein, Werkstein

Die wenigsten Bauernhäuser bestehen aus sauber behauenen Quadern. Üblich war Bruchsteinmauerwerk aus unregelmäßigen Steinen in reichlich Mörtel, oft zweischalig mit einer Füllung aus Steinbrocken und Mörtel dazwischen. Dazu kamen Lesesteine vom Acker und im Alpenvorland runde Flusskiesel. Nur Ecken, Gewände und Stufen wurden aus Werkstein gearbeitet. Wie solche Wände aufgebaut sind, erklärt der Beitrag Massivbau aus Bruchstein und Ziegel.

Wichtig: Diese Wände waren fast immer verputzt. Der Kalkputz ist ihr Wetterschutz. Bruchstein freizulegen, weil es „rustikal” aussieht, setzt weiche Fugen und unregelmäßige Steine dem Regen aus, für den sie nie gedacht waren.

Die Regel: Die Fuge ist das Verschleißteil

Eine Natursteinwand funktioniert, wenn der Mörtel weicher und durchlässiger ist als der Stein. Dann verdunstet die Feuchte über die Fuge, Salze lagern sich dort ab, und alle paar Generationen wird neu verfugt oder verputzt. Der Stein bleibt heil. Das richtige Material dafür ist Kalkmörtel, siehe Kalk.

Wird mit hartem, dichtem Zementmörtel verfugt, kehrt sich das um. Die Feuchte muss jetzt durch den Stein hinaus, und der wittert zurück, bis die Fugen wie Rippen vorstehen. An weichem Sandstein und Tuff geht das erschreckend schnell. Mehr dazu unter Zement im Altbau.

Was du selbst tun kannst und was nicht

Das geht in Eigenleistung:

  • Wasser vom Stein fernhalten: Dachrinnen reparieren, Spritzwasser am Sockel verringern, Gelände vom Haus weg neigen.
  • Bewuchs mit Wurzeln aus den Fugen entfernen, bevor er sie aufsprengt.
  • Ausgewitterte Fugen in kleinen Bereichen mit Kalkmörtel schließen. Lose Reste vorsichtig von Hand auskratzen, vornässen, Mörtel leicht hinter der Steinkante enden lassen.
  • Reinigen mit Wasser, Wurzelbürste und Geduld.

Das lässt du bleiben oder gibst es ab:

  • Sandstrahlen, harte Hochdruckreinigung und Säure zerstören bei weichen Steinen die Oberfläche, die der Stein über Jahrzehnte selbst gebildet hat. Danach verwittert er schneller als vorher.
  • Hydrophobierungen und Steinfestiger können sinnvoll sein, richten aber falsch eingesetzt großen Schaden an, etwa wenn Feuchte und Salze hinter einer wasserabweisenden Zone eingesperrt werden. Das entscheidet ein Steinrestaurator nach einer Untersuchung, nicht der Baumarkt.
  • Werkstücke ersetzen oder ergänzen: Ein Steinmetz setzt passgenaue Ersatzstücke aus demselben oder einem verwandten Stein ein. Flicken mit Zementmörtel halten nicht und sehen dauerhaft schlecht aus.
  • Ausbauchungen und Risse: Wenn sich bei zweischaligem Mauerwerk eine Schale löst und die Wand einen Bauch bekommt, ist das ein Fall für den Tragwerksplaner. Das gilt auch für alle neuen Öffnungen in Bruchsteinwänden.

Typische Fehler

  • Zementfugen und Zementputz auf Naturstein.
  • Bruchsteinwände freilegen, die immer verputzt waren.
  • Sockel aus saugendem Stein mit Bitumen, Fliesen oder Sperrputz „abdichten”. Die Feuchte steigt dahinter nur höher.
  • Kalkstein mit sauren Reinigern behandeln.
  • Alte Granitgewände, Tröge und Stufen beim Umbau entsorgen. Sie sind praktisch unzerstörbar und kaum wiederzubeschaffen.

Kurz gesagt

  • Alte Häuser sind aus dem Stein der Umgebung gebaut: Granit im Osten, Sandstein im Norden, Kalk auf der Alb, Tuff und Nagelfluh vor den Alpen.
  • Harte, dichte Steine wie Granit leiten Feuchte über die Fugen; weiche, saugende wie Sandstein und Tuff nehmen sie selbst auf.
  • Der Mörtel muss weicher sein als der Stein. Kalk ja, Zement nein.
  • Bruchsteinmauerwerk war fast immer verputzt, und das aus gutem Grund.
  • Schonend reinigen, nie strahlen oder säuern.
  • Festigen, Hydrophobieren, Ersatzstücke und Statik sind Sache von Fachleuten.

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