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Hausformen6 Minuten

Das Jurahaus im Altmühltal

Licht

Kubischer Baukörper, kleine Fenster, flaches Dach aus Kalkplatten: was ein Jurahaus ausmacht und warum sein Dach die zentrale Frage jeder Sanierung ist.

Ein Jurahaus sieht aus, als hätte es jemand aus dem Hang geschnitten: ein heller, fast würfelförmiger Baukörper, glatt verputzt, mit wenigen kleinen Fenstern und einem flachen, grauen Steindach, das ohne Überstand knapp auf den Mauern sitzt. Kein Balkon, kein Zierrat, keine Geranien. Die Form ist so reduziert, dass Architekten davor ins Schwärmen geraten – und sie ist so eigen, dass man bei der Sanierung ein paar Dinge wissen muss, die für kein anderes Haus in Bayern gelten.

Wo es steht

Das Verbreitungsgebiet ist die südliche Frankenalb rund um das Altmühltal: grob das Gebiet um Eichstätt, von Treuchtlingen und Pappenheim im Westen bis in die Gegend von Kelheim im Osten, nach Süden bis an die Donau, nach Norden ein gutes Stück auf die Albhochfläche. Das Gebiet hält sich an keine Verwaltungsgrenze – Oberbayern, Mittelfranken, Oberpfalz und Niederbayern haben alle ihren Anteil. Es deckt sich dafür ziemlich genau mit dem Vorkommen des Plattenkalks, jenes dünnbankigen Juragesteins, das rund um Solnhofen und Eichstätt gebrochen wird.

Jurahäuser sind nicht nur Bauernhäuser. Dieselbe Bauweise findet sich am Tagelöhnerhäusl, am großen Hof, an Stadeln, Mühlen, Wirtshäusern und an Bürgerhäusern in den Städten der Region. Gebaut wurde so vom späten Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Die Logik: ein Dach aus dem, was im Boden liegt

Der Plattenkalk spaltet sich von Natur aus in dünne, ebene Platten. Die besseren Lagen gingen als Bodenbelag und später als Lithografiestein in die Welt, die unregelmäßigen, ein bis zwei Zentimeter dicken Bruchplatten blieben übrig – und wurden zum Dachmaterial. Man nennt sie Legschiefer, obwohl es geologisch kein Schiefer ist.

Das Prinzip ähnelt der Legschindel: Die Platten werden nicht genagelt, sondern in vielen Schichten überlappend auf eine Unterlage aus gespaltenen Hölzern oder dicht liegenden Latten gelegt und halten allein durch Gewicht und Reibung. Daraus folgt alles Weitere:

  • Flache Neigung. Bei rund 27 bis 30 Grad ist Schluss; wäre das Dach steiler, würden die Platten abrutschen.
  • Enormes Gewicht. Weil die Platten mehrlagig übereinanderliegen, kommen Größenordnungen von rund 200 Kilogramm je Quadratmeter und mehr zusammen – ein Mehrfaches eines Ziegeldachs.
  • Kräftiger Dachstuhl. Entsprechend stark und eng sind die Sparren, entsprechend dick die Mauern darunter. Einen Blick ins Dachwerk erklärt der Beitrag zum Dachstuhl.
  • Kein Dachüberstand. Frei auskragende Platten würden brechen oder vom Wind gehoben. Das Dach endet deshalb knapp an Traufe und Ortgang. Das gibt dem Haus seine kantige Form – und lässt das Regenwasser direkt an der Fassade herunterlaufen.

Im 19. Jahrhundert kamen als Weiterentwicklung die Zwicktaschen auf: dünnere, in Form gezwickte Kalkplatten, die ähnlich wie Biberschwanzziegel auf Latten befestigt werden. Sie sind leichter und erlauben steilere Dächer. Mehr zu beiden Deckungen unter Dachdeckungen.

Aufbau und Konstruktion

Wände. Das Mauerwerk besteht aus Kalkbruchstein, in Kalkmörtel gesetzt, häufig 50 bis 80 Zentimeter dick, innen wie außen mit Kalk verputzt und gekalkt. Obergeschosse, Giebel und Innenwände sind nicht selten aus Fachwerk, das aber fast immer verputzt ist und nach außen nicht in Erscheinung tritt. Grundsätzliches zu solchen Mauern steht unter Massivbau aus Bruchstein und Ziegel.

Baukörper. Ein- oder zweigeschossig, oft mit Kniestock, also einem halbhohen Geschoss unter dem Dach. Der Dachraum war Lager – Getreide, Vorräte, Gerümpel –, kein Wohnraum. Viele Häuser sind Wohnstallhäuser mit Wohnung und Stall unter einem Dach; bei größeren Anwesen gruppieren sich Haus, Stadel und Nebengebäude zum Haken- oder Dreiseithof.

Fenster. Klein, annähernd quadratisch bis leicht hochformatig, und scheinbar unregelmäßig verteilt – tatsächlich sitzen sie dort, wo innen Licht gebraucht wurde. Die großen ruhigen Putzflächen dazwischen machen die Wirkung des Hauses aus. Farbige Putzfaschen um die Fenster und ein kräftiges Traufgesims sind oft der einzige Schmuck.

Innen. Ein Flur (Fletz oder Tenne) erschließt das Erdgeschoss mit Stube, Küche und Kammern. Die Küche hatte einen offenen Kamin mit großem Rauchfang; in manchen Häusern ist diese schwarze Küche noch erhalten. Die Stube hat häufig eine Bohlen-Balken-Decke, die Böden in Flur und Küche sind mit Solnhofener Platten belegt – dasselbe Gestein wie auf dem Dach, nur in besserer Qualität. Dazu mehr unter Böden im Altbau.

Heutiger Zustand

Nach 1950 ist ein großer Teil der Jurahäuser verschwunden. Das schwere, pflegebedürftige Steindach galt als rückständig, die kleinen Fenster als düster, die Häuser als Armutszeugnis. Viele wurden abgerissen, andere bekamen einen steileren Dachstuhl mit Ziegeln, größere Fenster und einen Zementputz – danach sind sie kaum noch als Jurahaus zu erkennen. Seit den 1980er Jahren hat sich die Wertschätzung gedreht; ein eigener Verein kümmert sich in der Region um Erhalt und Beratung, und eine Reihe vorbildlicher Sanierungen zeigt, dass sich in diesen Häusern sehr gut wohnen lässt. Häuser mit erhaltenem Legschieferdach stehen in aller Regel unter Denkmalschutz.

Was beim Kauf und bei der Sanierung speziell zu beachten ist

Das Dach ist die Hauptfrage. Ein Legschieferdach ist kein Dach, das man einmal deckt und vergisst. Es muss regelmäßig nachgesehen, nachgelegt und in größeren Abständen umgedeckt werden; dabei werden die Platten abgenommen, die Unterlage erneuert und die brauchbaren Platten mit neuen ergänzt. Das beherrschen nur wenige, in der Region ansässige Dachdeckerbetriebe. Material und Arbeit sind teurer als bei einem Ziegeldach. Bei Denkmälern gibt es dafür unter Umständen Zuschüsse – was aktuell möglich ist, sagen dir die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landesamt für Denkmalpflege. Klär das vor dem Kauf, und lass den Zustand des Dachs von einem Betrieb beurteilen, der solche Dächer selbst deckt.

Lasten nicht leichtfertig verändern. Der Dachstuhl ist auf das hohe Gewicht ausgelegt. Schäden an Sparrenfüßen und Mauerlatten – den Hölzern, die auf der Mauerkrone liegen – sind wegen der fehlenden Dachüberstände und lange undichter Traufen häufig. Reparaturen am Tragwerk gehören in die Hand von Zimmerei und Tragwerksplaner. Auch ein Wechsel auf eine andere Deckung ist keine Bagatelle: Er verändert Lasten, Anschlüsse und das Gesicht des Hauses, und beim Denkmal ist er genehmigungspflichtig.

Dämmen: oben statt schräg. Weil der Dachraum historisch kalt war, ist die Dämmung der obersten Geschossdecke meist der einfachste und verträglichste Weg. Soll der Dachraum bewohnt werden, wird es anspruchsvoll: flache Neigung, geringe Höhe, eine Deckung, die man von unten nicht einfach zupacken darf. Das braucht eine Planung, die das Steindach kennt.

Mauern trocken halten. Ohne Dachüberstand bekommt die Fassade mehr Wasser ab als anderswo. Kalkputz und Kalkanstrich verkraften das, weil sie Wasser wieder abgeben; sie wollen aber gepflegt werden. Zementputz, Dispersionsfarbe und dichte Sockelbeschichtungen sperren die Feuchte ein. Warum das so ist, steht unter Kalk.

Fenster klein lassen. Die Versuchung ist groß, mehr Licht zu holen. Aber jede vergrößerte Öffnung nimmt dem Haus, was es ausmacht, und schwächt nebenbei das Bruchsteinmauerwerk. Gute Sanierungen arbeiten mit hellen Kalkoberflächen, tiefen, abgeschrägten Laibungen, einzelnen gezielten Öffnungen an untergeordneter Stelle – oder sie legen Räume, die viel Licht brauchen, in den ehemaligen Stadel.

Raumhöhen und Grundriss annehmen. Die Stuben sind niedrig, die Wände dick, die Räume eher klein. Wer ein Loft sucht, ist hier falsch. Wer dicke Mauern, kühle Sommer und ruhige Räume mag, sehr richtig.

Kurz gesagt

  • Das Jurahaus ist an den Plattenkalk der südlichen Frankenalb gebunden: Bruchsteinmauern, Kalkputz und ein flaches Dach aus lose gelegten Kalkplatten.
  • Die Deckung erklärt die Form: flache Neigung, sehr hohes Gewicht, starker Dachstuhl, kein Dachüberstand.
  • Kleine, frei verteilte Fenster und große Putzflächen sind kein Mangel, sondern das Wesen des Hauses.
  • Viele Häuser sind nach 1950 abgerissen oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut worden; erhaltene stehen meist unter Denkmalschutz.
  • Vor dem Kauf den Zustand des Steindachs von einem spezialisierten Betrieb beurteilen lassen und Zuständigkeiten, Kosten und mögliche Zuschüsse mit der Denkmalbehörde klären.

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