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Allgäuer und schwäbische Bauernhäuser

Licht

Vom Allgäuer Einfirsthof mit Schindelschirm bis zum Mittertennhaus in Mittelschwaben: Aufbau, Konstruktion und Sanierungsfragen schwäbischer Bauernhäuser.

Bayerisch-Schwaben reicht vom Alpenhauptkamm bis ins Ries, und entsprechend weit liegen die Häuser auseinander: im Süden der breite, flach gedeckte Hof allein in der Wiese, mit Schindeln bis unter den Giebel eingepackt; im Norden das steilgieblige Haus an der Dorfstraße. Gemeinsam ist fast allen das Prinzip Einhaus – Wohnung, Tenne und Stall hintereinander unter einem First. Wer in Schwaben einen Hof kauft, bekommt deshalb meist ein einziges, langes Gebäude. Das klingt übersichtlich, hat aber seine Tücken.

Das Allgäu: Einzelhof im Grünen

Landschaft und Wirtschaft. Das Allgäu war nicht immer das Milchland, als das man es kennt. Bis ins 19. Jahrhundert spielten Ackerbau und vor allem Flachs eine große Rolle; erst dann stellte die Gegend weitgehend auf Grünland, Milch und Käse um. Prägend für das Siedlungsbild ist die Vereinödung: Seit der frühen Neuzeit, vom Raum Kempten ausgehend, wurden zersplitterte Fluren zusammengelegt und viele Höfe aus den Dörfern hinaus mitten in ihr Land versetzt. Daher die vielen Einzelhöfe und Weiler.

Aufbau. Der Allgäuer Hof ist ein Einfirsthof: vorn der Wohnteil, dann die Tenne, dann der Stall mit dem Heustock darüber. Die quer durchs Haus laufende Tenne zwischen Wohnen und Vieh ist typisch für den schwäbischen Raum; man spricht vom Mittertennbau. Der Eingang liegt meist an der Traufseite und führt in den Hausgang, an dem die Stube in der sonnigen Ecke, die Küche und eine Kammer liegen; oben die Schlafkammern. In Hanglage führt eine Hocheinfahrt unters Dach. Als die Viehbestände im 19. und 20. Jahrhundert wuchsen, bekam mancher Hof einen quer angesetzten Wirtschaftsflügel, die Widerkehr – aus dem gestreckten Haus wurde ein Haken.

Konstruktion. Die ältere Schicht ist aus Holz: Blockbau und vor allem der Ständerbohlenbau, bei dem kräftige Ständer ein Gerüst bilden und liegende Bohlen in deren Nuten die Wand schließen. Das Herzstück ist die Bohlenstube mit ihren langen Fensterreihen und der Bohlen-Balken-Decke. Das Dach war flach geneigt und mit Legschindeln gedeckt, wie im benachbarten Oberbayern; mit dem Ziegel wurden die Dächer im 19. Jahrhundert vielerorts etwas steiler. Jüngere Höfe haben einen gemauerten, verputzten Wohnteil, der Wirtschaftsteil bleibt ein verbrettertes Holzgerüst.

Der Schindelschirm. Das Allgäu liegt im Weststau der Alpen und bekommt reichlich Schlagregen. Die Antwort darauf ist der Schindelschirm: kleine, überlappend genagelte Holzschindeln, die Wetterseiten oder gleich das ganze Haus wie ein Schuppenkleid überziehen. Dazu kommen vielerorts Klebdächer – schmale Vordächer über den Fensterreihen – und Verbretterungen. Im Westallgäu ist die Verwandtschaft zu den Häusern im Bregenzerwald unübersehbar.

Mittelschwaben und der Norden

Nördlich des Allgäus, im Unterallgäu, in Mittelschwaben, in den Stauden und im Donauried, bleibt das Einhaus mit Mittertenne die Regel, aber Dach und Wand ändern sich. Die Dächer werden steil, weil hier früher mit Stroh gedeckt wurde, später mit Ziegeln. Die ältere Bausubstanz ist Fachwerk mit Lehmausfachung, oft schlicht und seit langem verputzt. Im 19. Jahrhundert setzt sich der Ziegelbau durch; viele Häuser sind Mischungen aus gemauertem Erdgeschoss, Fachwerkgiebel und nachträglich untermauerten Wänden. Die Höfe stehen hier häufiger im Dorf, je nach Gegend mit dem Giebel oder der Traufe zur Straße.

Im Ries, ganz im Norden, prägen stattliche, giebelständige Häuser in geschlossenen Dörfern das Bild, mit getrennten Scheunen und Hofräumen, die schon an das benachbarte Franken erinnern. Wie sich das zueinander verhält, zeigt der Überblick über die Hofformen.

Beispiele aus den verschiedenen Teilen Schwabens stehen im Schwäbischen Freilichtmuseum Illerbeuren – dort lässt sich gut vergleichen, wie unterschiedlich Bohlenstube, Fachwerkhaus und gemauerter Hof von innen wirken.

Die Unterschiede auf einen Blick

Allgäu Mittelschwaben und Norden
Lage Einzelhöfe, Weiler überwiegend im Dorf
Hausform Einfirsthof, teils mit Widerkehr Einhaus mit Mittertenne, im Norden auch mehrteilige Höfe
Dach ursprünglich flach, Legschindel; später Ziegel, Blech steil, früher Stroh, dann Ziegel
Wand (ältere Schicht) Blockbau, Ständerbohlenbau Fachwerk mit Lehm, oft verputzt
Wetterschutz Schindelschirm, Klebdächer, Schalung Putz, vereinzelt Verbretterung

Typische Schwachstellen

Was der Schindelschirm verbirgt. Ein intakter Schirm schützt hervorragend. Ein vernachlässigter lässt Wasser dahinter laufen, ohne dass man es sieht. Bei der Besichtigung also nicht nur auf die Schindeln schauen, sondern von innen prüfen: Verfärbungen, weiche Stellen, muffiger Geruch an der Wetterseite. Wurde der Holzschirm irgendwann durch Faserzementplatten ersetzt, können diese Asbest enthalten – Rückbau nur durch einen Fachbetrieb.

Fußpunkte. Wie bei allen Holzhäusern leiden Schwellen und Ständerfüße zuerst, vor allem dort, wo der Hofraum aufgefüllt oder betoniert wurde.

Stall und Tenne. Der Stall bringt Feuchte und Salze ins angrenzende Mauerwerk; die Trennwand zum Wohnteil ist oft in schlechterem Zustand als die Außenwände. Tennenböden und Heubühnen sind für Futter ausgelegt, nicht für Wohnnutzung – was sie tragen, muss ein Tragwerksplaner beurteilen.

Verbaute Bohlenstuben. Viele Stuben wurden im 20. Jahrhundert mit Platten verkleidet, die Decken abgehängt, die Fensterreihen zu Einzelfenstern zusammengefasst. Unter der Verkleidung ist das Original oft noch da. Alte Anstriche und Holzschutzmittel können belastet sein; bevor du schleifst oder ablaugst, lass das klären.

Flache Dächer mit schwerer Deckung. Wie im Oberland gilt: Ein Dachstuhl, der für Schindeln gedacht war, trägt nicht automatisch Betondachsteine. Mehr unter Dachdeckungen.

Was das für Kauf und Sanierung heißt

Die Tenne als Chance. Beim Mittertennbau liegt zwischen Wohnteil und Stall ein hoher, durchgehender Raum. Wer den Wirtschaftsteil nutzen will, findet hier den natürlichen Ort für Erschließung, Treppe und Technik, ohne den alten Wohnteil aufzureißen. Ob und was genehmigt wird, klärst du vorab mit dem Bauamt; Grundsätzliches steht unter Stadel und Stall umnutzen.

Den Schindelschirm pflegen – oder richtig erneuern. Holzschindeln halten bei guter Hinterlüftung Jahrzehnte. Einzelne Flächen lassen sich erneuern. Wird ein Schirm komplett neu aufgebaut, kann dahinter in manchen Fällen eine diffusionsoffene Dämmung Platz finden. Das ist eine Planungsaufgabe, weil sich Fensterlaibungen, Dachüberstand und Proportionen ändern, und beim Denkmal eine Frage der Abstimmung.

Bohlenwände behutsam behandeln. Bohlen arbeiten, Fugen gehören dazu. Gestopft wird mit Naturfasern, innen gedämmt – wenn überhaupt – kapillaraktiv und ohne Folien. Bohlenstuben werden gereinigt und repariert, nicht sandgestrahlt und nicht versiegelt.

Fachwerk im Norden. Hier gelten die üblichen Fachwerkregeln: kein Zementputz, keine dichten Farben, Gefache mit Lehm reparieren, Schwellen freihalten.

Volumen realistisch sehen. Auch beim Einhaus macht der Wirtschaftsteil den größeren Teil aus. Plane zuerst das Dach über dem Ganzen, dann den Wohnteil und erst dann den Ausbau.

Gut erhaltene Höfe stehen häufig in der Denkmalliste. Was das an Pflichten, Beratung, Zuschüssen und steuerlichen Möglichkeiten bedeutet, klärst du mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und deiner Steuerberatung – und zwar, bevor der Plan fertig ist.

Kurz gesagt

  • In Schwaben dominiert das Einhaus: Wohnteil, quer liegende Tenne und Stall unter einem First.
  • Das Allgäu baut flach, hölzern und einzeln in der Flur, mit Schindelschirm gegen den Schlagregen; Mittelschwaben und der Norden bauen steil, mit Fachwerk und Ziegel, meist im Dorf.
  • Bohlenstuben im Ständerbohlenbau sind das wertvollste Stück vieler Häuser und liegen oft unter späteren Verkleidungen.
  • Schwachstellen: Wasser hinter dem Schirm, Fußpunkte, Stallwand, überlastete Dachstühle.
  • Die Mittertenne ist der beste Ansatzpunkt für eine spätere Nutzung des Wirtschaftsteils – Genehmigung und Statik vorausgesetzt.

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