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Fränkische Bauernhäuser und Hofanlagen

Licht

Fachwerk, Sandstein, steiles Dach und Hoftor: wie fränkische Bauernhäuser und Höfe aufgebaut sind und worauf du bei Kauf und Sanierung achten musst.

Das eine fränkische Bauernhaus gibt es nicht. Zwischen Rhön und Altmühl, Spessart und Fichtelgebirge liegen Weindörfer, Hopfengegenden, Mittelgebirge und fette Gäuböden, und jede Landschaft hat anders gebaut. Trotzdem erkennt man Franken sofort: steile Ziegeldächer, Fachwerk über Sandsteinsockeln, Höfe, die sich mit Tor und Mauer zur Dorfstraße hin abschließen. Wer aus Altbayern kommt, merkt schnell, dass hier vieles enger, steiler und steinerner ist.

Was fränkische Höfe gemeinsam haben

Geschlossene Dörfer. Anders als im Süden Bayerns, wo Einöden und Weiler vorherrschen, liegen fränkische Höfe überwiegend im Dorf, oft dicht an dicht. In Teilen Frankens, besonders in Mainfranken, wurde der Besitz im Erbfall häufig geteilt. Das Ergebnis sind viele kleine Betriebe, schmale Hofstellen und Gebäude, die über Generationen geteilt, angebaut und aufgestockt wurden.

Mehrteilige Höfe. Die typische Anlage ist der Haken- oder Dreiseithof: Das Wohnhaus steht mit dem Giebel oder der Traufe an der Straße, dahinter oder gegenüber liegen Stall und Nebengebäude, die Scheune schließt den Hof nach hinten quer ab. Zur Straße hin sitzt ein Hoftor, in wohlhabenden Gegenden als gemauerter Torbogen mit kleiner Pforte daneben. In größeren Anlagen, etwa im Nordosten Oberfrankens, kommt auch der geschlossene Vierseithof vor. Wie die Formen zusammenhängen, steht im Überblick über die Hofformen.

Das Wohnstallhaus als ältere Schicht. Bei kleineren und älteren Anwesen liegen Wohnung und Stall unter einem Dach. Man betritt das Haus von der Traufseite und steht im Flur, der in Franken je nach Gegend Ern, Tenne oder Hausplatz heißt. Zur Straße hin liegt die Stube, dahinter die Küche mit dem ehemals offenen Herd, daneben eine Kammer; auf der anderen Seite des Flurs schließt der Stall an. Im Obergeschoss Kammern, darüber ein oder mehrere Dachböden als Speicher.

Steile Dächer. Satteldächer mit grob 45 bis über 50 Grad Neigung, früher mit Stroh, seit langem mit Ziegeln gedeckt – vor allem Biberschwanz, regional auch Hohlziegel. Im Frankenwald und im nördlichen Oberfranken kommt Schiefer dazu, auf dem Dach wie als Wandbehang. Halbwalme sind häufig, weite Dachüberstände dagegen nicht: Das fränkische Dach schließt knapp ab.

Keller. Unter der Stube liegt oft ein gewölbter Keller aus Sandstein oder Kalkstein, in den Weinorten entsprechend groß. Dazu kommen Felsenkeller am Ortsrand für Bier, Rüben und Kartoffeln. Was es damit auf sich hat, steht unter Keller im alten Haus.

Konstruktion: Fachwerk und Stein

Das prägende Material ist Holz – Eiche für Schwellen und alles, was am Wetter steht, Nadelholz für den Rest. Fränkisches Fachwerk ist stockwerksweise abgezimmert: Schwelle, Ständer, Rähm, darauf das nächste Geschoss. Ausgesteift wird mit Streben, die in den reicheren Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts zu Zierformen werden: Mannfiguren, Andreaskreuze, geschweifte Hölzer, geschnitzte Eckständer. Die Gefache sind mit Lehm auf Flechtwerk oder Staken geschlossen, später auch mit Bruchstein oder Ziegeln ausgemauert. Wie man mit dem Material umgeht, steht unter Lehm im alten Haus.

Das Erdgeschoss ist häufig massiv, vor allem wo Stall und Küche lagen. Gemauert wurde mit dem Stein der Gegend: Buntsandstein im Spessart und am Untermain, Muschelkalk um Würzburg, Schilf- und Burgsandstein in Mittelfranken, Jurakalk im Süden, Granit im Fichtelgebirge. Im Nürnberger Umland und im westlichen Mittelfranken stehen ganze Häuser aus Sandsteinquadern, meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert, als die Obrigkeiten aus Brandschutzgründen auf Steinbau drängten. Mehr zu den Gesteinen unter Naturstein in Bayern.

Wichtig fürs Verständnis: Sehr viel fränkisches Fachwerk liegt unter Putz. Teils war es von Anfang an als Putzbau gedacht – einfaches, konstruktives Fachwerk ohne Zierformen –, teils wurde es im 19. Jahrhundert überputzt, weil Stein moderner wirkte und verputzte Wände als feuersicherer galten. Verputztes Fachwerk erkennst du an geringen Wandstärken im Obergeschoss, an Rissen, die das Holzgerüst nachzeichnen, und an leicht vorkragenden Geschossen.

Regionale Besonderheiten

  • Mainfranken und Weinorte: enge Hofreiten, repräsentative Torbögen, große Gewölbekeller, viel Muschelkalk und Sandstein.
  • Hopfengegenden wie das Spalter Land oder die Hersbrucker Gegend: sehr hohe, steile Dächer mit mehreren Bodenebenen und langen Reihen von Lüftungsgauben, in denen der Hopfen getrocknet wurde.
  • Frankenwald und nördliches Oberfranken: Schieferdächer und verschieferte Wände, darunter oft Fachwerk oder Blockbau.
  • Rhön, Spessart, Haßberge, Steigerwald: kleinere, einfachere Fachwerkhäuser, häufig eingeschossig mit Kniestock.
  • Südliches Mittelfranken: Übergang zum Jurahaus mit flachem Kalkplattendach.

Wer das alles an einem Tag sehen will, fährt ins Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim, das nach Regionen gegliedert ist und die Häuser mit ihrer Baugeschichte erklärt.

Typische Schwachstellen

Schwelle und Sockel. Die Schwelle ist das am stärksten gefährdete Holz im Fachwerk. Angehobene Gehwege, anbetonierte Sockel und dichte Sockelputze sorgen dafür, dass sie dauerhaft feucht liegt.

Falscher Putz, falsche Farbe. Zementputz auf Fachwerk oder Gefachen, Dispersionsfarbe auf Holz und Putz, dauerelastische Fugen zwischen Balken und Gefach: Alles, was Wasser hinein-, aber nicht mehr herauslässt, zerstört Holz von innen. Von außen sieht das Haus tadellos aus, bis der Schraubenzieher im Balken verschwindet.

Freigelegtes Putzfachwerk. In den 1970er und 80er Jahren wurde gern freigelegt, was nie zum Herzeigen gedacht war. Solches Holz ist oft gebeilt (für die Putzhaftung aufgeraut), aus schwächeren Querschnitten und dem Schlagregen nicht gewachsen.

Sandstein. Er sandet, schalt und blüht aus, besonders im Sockel, wo Feuchte und Salze aus Stall und Straße zusammenkommen. Zementfugen und Zementflicken beschleunigen den Zerfall, weil sie härter und dichter sind als der Stein.

Geteilte und verbaute Häuser. Die Erbteilung hat manchmal Häuser mitten durch den First geteilt. Prüfe Grundbuch, Grenzverläufe, gemeinsame Wände, Überbauten und Wegerechte besonders gründlich.

Was das für die Sanierung heißt

Fachwerk wird zimmermannsmäßig repariert: schadhafte Hölzer abschnittsweise ersetzen, mit Holzverbindungen statt mit Blechwinkeln, Eiche, wo Eiche war. Gefache reparierst oder ergänzt du mit Lehm, verputzt wird mit Kalk, gestrichen mit Kalk- oder Silikatfarbe; aufs Holz gehört, wenn überhaupt, ein diffusionsoffener Anstrich auf Leinölbasis. Der Anschluss zwischen Holz und Gefach bleibt eine schlichte Putzkante – er darf reißen, solange das Wasser wieder herauskann.

Ob ein Fachwerk sichtbar bleibt, wieder verputzt oder an der Wetterseite verkleidet wird, entscheidet sich am Befund, nicht am Geschmack. Ein Wetterschirm aus Holz oder Schiefer ist kein Stilbruch, sondern regionale Tradition. Für den Wärmeschutz kommen innen kapillaraktive Aufbauten in moderater Dicke in Frage, etwa Holzfaser mit Lehmputz oder Leichtlehm; alles Dichte und Dicke ist im Fachwerk riskant.

Sandstein gehört in die Hände eines Steinmetzbetriebs mit Restaurierungserfahrung. Hochdruckreiniger, Sandstrahlen und wahllos aufgetragene Imprägnierungen richten mehr Schaden an als hundert Jahre Wetter.

Viele fränkische Ortskerne sind als Ensemble geschützt. Dann redet die Denkmalpflege auch bei Häusern mit, die selbst kein Einzeldenkmal sind – bei Fenstern, Dachdeckung, Farbe. Den Status erfährst du über den Denkmal-Atlas oder bei der Unteren Denkmalschutzbehörde; Fördermöglichkeiten und steuerliche Fragen klärst du aktuell mit Behörde und Steuerberatung.

Kurz gesagt

  • Franken ist keine einheitliche Hauslandschaft, aber steile Ziegeldächer, Fachwerk, Sandstein und zur Straße abgeschlossene Haken- und Dreiseithöfe ziehen sich durch.
  • Das ältere Wohnstallhaus wird vom Flur (Ern) aus erschlossen: Stube zur Straße, Küche dahinter, Stall auf der anderen Seite.
  • Viel Fachwerk liegt unter Putz – teils von Anfang an, teils seit dem 19. Jahrhundert. Freilegen ist nicht automatisch richtig.
  • Hauptfeinde sind Zementputz, dichte Farben, feuchte Schwellen und falsch behandelter Sandstein.
  • Bei Häusern in engen, geteilten Hofstellen vor dem Kauf Grenzen, Rechte und Ensembleschutz prüfen.

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