Gewölbekeller und Erdkeller waren Vorratsräume, keine Wohnräume. Wie sie gebaut sind, warum Lüften im Sommer schadet und was man mit ihnen anfangen kann.
Wer zum ersten Mal in den Keller eines alten Bauernhauses steigt, riecht Erde, sieht feuchte Wände und denkt: Sanierungsfall. Meistens ist es keiner. Der Keller tut genau das, wofür er gebaut wurde – er ist nur nicht für das gebaut, was wir heute von einem Keller erwarten.
Wozu ein alter Keller da war
Ein historischer Keller ist ein Kühlschrank ohne Strom. Kartoffeln, Rüben, Kraut, Most, Bier und Eingemachtes brauchen es gleichmäßig kühl, dunkel und eher feucht – bei trockener Luft schrumpeln Kartoffeln und Äpfel. Das Erdreich liefert beides: eine übers Jahr recht konstante Temperatur und Feuchte. Hohe Luftfeuchte im Keller ist also kein Mangel, sondern war der Zweck der Übung.
Daraus folgt auch, dass viele alte Häuser gar nicht oder nur zum Teil unterkellert sind. Oft liegt ein einzelner Kellerraum unter der Stube oder der Speis, erreichbar über eine steile Stiege oder eine Bodenklappe. Der Rest des Hauses steht direkt auf dem Boden. Wo das Grundwasser hoch stand oder der Fels anstand, hat man ganz auf den Keller verzichtet und ihn woanders gebaut.
Bauformen
Gewölbekeller. Die häufigste Form unter massiven Häusern: ein Tonnengewölbe – ein halbrunder oder flachbogiger Tunnel – aus Bruchstein oder Ziegel, das auf den beiden Längswänden ruht. Das Gewölbe trägt über Druck; es braucht stabile Widerlager (die Wände, die den Seitenschub aufnehmen) und verträgt eine gleichmäßige Auflast von oben gut. Ab dem späten 19. Jahrhundert kommen flache Kappendecken zwischen Eisenträgern dazu. Mehr zur Konstruktion unter Gewölbe, böhmische Kappen und Kappendecken.
Balkenkeller. Bei einfacheren Häusern und bei Holzbauten besteht die Kellerdecke aus Holzbalken mit Dielen oder Bohlen. Das Holz lebt hier in dauerhaft feuchter Luft – entsprechend aufmerksam sollte man es ansehen.
Erdkeller. Ein eigenes kleines Bauwerk abseits des Hauses, in einen Hang gegraben oder mit Erde überdeckt, meist mit gemauertem Gewölbe und einem Vorraum oder Kellerhals als Temperaturschleuse. In Franken bilden solche Keller ganze Kellergassen am Ortsrand, in den Sandstein oder Keuper getrieben; in Altbayern gehörten Sommerkeller zu jeder Brauerei und zu manchem größeren Hof. Auch Kartoffel- und Rübenkeller am Hof sind oft Erdkeller.
Böden und Öffnungen. Der Kellerboden besteht aus gestampftem Lehm, Sand, Ziegelpflaster oder Natursteinplatten – immer ohne Abdichtung. Kleine Lüftungsöffnungen, oft schräg nach oben durch die Wand geführt, sorgten für etwas Luftwechsel. Dass jemand sie später zugemauert oder mit einem Kunststofffenster verschlossen hat, ist häufig.
Zustand prüfen
Schauen. Steht Wasser, oder gibt es Wasserränder an den Wänden? Dann geht es um Grund- oder Hangwasser und nicht nur um Erdfeuchte – frag die Vorbesitzer und Nachbarn, wie hoch es nach Starkregen oder Schneeschmelze kommt. Weiße, flaumige oder krustige Beläge sind Salze; sie sind im Keller fast immer vorhanden und an sich unkritisch, solange kein Wohnraum daraus werden soll (siehe Salze und Ausblühungen). Beim Gewölbe: Risse im Scheitel oder quer zur Tonne, herausgefallene Steine, Ausbauchungen der Widerlagerwände.
Klopfen. Putz im Keller ist oft mürbe und hohl. Das ist kein Drama – ein unverputzter oder nur geschlämmter Keller ist ohnehin die bessere Lösung. Zementputz und Dichtschlämmen, die hart und heil aussehen, sind dagegen ein Warnzeichen: Dahinter steckt die Feuchte fest und wandert nach oben ins Erdgeschoss.
Riechen. Erdiger Geruch ist normal. Ein stechend pilziger, „champignonartiger” Geruch in Verbindung mit Holz – Balkendecke, alte Regale, Kellerstiege, Türstock – verdient Aufmerksamkeit. Holz in feuchten Kellern ist der bevorzugte Startpunkt für den Echten Hausschwamm. Watteartiges Myzel, braune würfelig brechende Holzstücke oder rostbrauner Sporenstaub sind ein Fall für einen Holzschutz-Sachverständigen, sofort.
Balkenköpfe. Bei Balkenkellern die Auflager in der Wand ansehen und abklopfen. Dumpfer Klang, weiches Holz, das sich mit dem Schlüssel eindrücken lässt: Fachmann holen.
Der große Lüftungsfehler im Sommer
Der häufigste selbst gemachte Kellerschaden entsteht aus bester Absicht: Im Juli riecht es muffig, also Fenster auf, „damit es trocknet”. Das Gegenteil passiert.
Warme Luft trägt viel Wasserdampf. Kommt sie an einem Sommertag mit 28 Grad in einen Keller, dessen Wände 12 Grad haben, kühlt sie dort ab, kann das Wasser nicht mehr halten und lädt es an den Wänden ab. Die Wände werden sichtbar nass – nicht durch Feuchte aus dem Boden, sondern durch Tauwasser aus der Lüftungsluft. Das nennt man Sommerkondensation, und sie füttert Schimmel auf allem, was im Keller lagert.
Die Regel ist einfach: Lüfte nur, wenn es draußen kälter ist als im Keller. Im Sommer also allenfalls in kühlen Nächten oder am frühen Morgen, im Winter nach Belieben. An schwülen Tagen bleiben Kellerfenster und Kellertür zu. Wer es genau haben will, lässt eine taupunktgesteuerte Lüftung einbauen: Sensoren vergleichen den Wassergehalt der Luft innen und außen, und ein kleiner Ventilator läuft nur, wenn die Außenluft tatsächlich trockener ist. Die Zusammenhänge stehen ausführlicher unter Lüften und Raumklima.
Lager statt Wohnraum
Die ehrlichste Empfehlung für einen historischen Keller: Nutze ihn als das, was er ist.
Er eignet sich hervorragend für Kartoffeln, Obst, Wein, Most, Eingemachtes, für Gartengeräte aus Metall und alles, was Feuchte nicht stört. Er eignet sich schlecht für Kartons, Bücher, Textilien, Polstermöbel, Holzwerkstoffe und Werkzeug, das rostet. Regale am besten aus Metall oder massivem Holz, mit einer Handbreit Abstand zur Wand und zum Boden, damit Luft dahinter kommt.
Der Ausbau zum Hobbyraum, Gästezimmer oder Büro ist bei einem erdberührten Bruchsteinkeller ohne Abdichtung fast immer ein Kampf gegen die Physik: Man müsste abdichten, dämmen, heizen und entfeuchten – und verlagert die Feuchte dabei gern in die Wände darüber. Dazu kommen rechtliche Anforderungen an Aufenthaltsräume (Raumhöhe, Belichtung, Rettungsweg), die ein alter Keller selten erfüllt. Wenn, dann nur mit Planung durch jemanden, der Altbauten kennt.
Noch ein Punkt, der gern vergessen wird: Radon. Das natürliche radioaktive Gas dringt aus dem Untergrund durch offene Kellerböden ins Haus. In Teilen Bayerns – vor allem in den ostbayerischen Mittelgebirgen mit Granit und Gneis – sind die Werte erhöht. Für einen Lagerkeller ist das wenig relevant, für Aufenthaltsräume schon. Eine Langzeitmessung mit passiven Dosimetern ist günstig; zu Vorsorgegebieten und Referenzwerten informiert das zuständige Landesamt.
Sanieren: was geht, was man lässt
Nicht abdichten von innen. Dichtschlämme, Zementputz, Sperrputz und „Kellerfarbe” halten das Wasser nicht auf, sie verstecken es nur – und treiben es höher. Besser: losen Putz abnehmen, Fugen bei Bedarf mit Kalkmörtel ausbessern, Wände steinsichtig lassen oder mit Kalk schlämmen. Kalk wirkt nebenbei leicht desinfizierend und hellt den Raum auf.
Boden offen lassen. Ein Betonboden im Gewölbekeller sieht aufgeräumt aus und verschiebt die Bodenfeuchte in die Wände. Ziegelpflaster oder Natursteinplatten im Sand- oder Splittbett sind sauber, begehbar und bleiben diffusionsoffen.
Gewölbe in Ruhe lassen. Ein Gewölbe ist ein Gleichgewichtssystem. Durchbrüche für Leitungen, das Entfernen der Auflast (etwa beim Ausräumen des Bodenaufbaus darüber), schwere Einzellasten oder das Abgraben neben den Widerlagern können es gefährden. Alles, was über eine Dübelbohrung hinausgeht, vorher mit einem Tragwerksplaner klären.
Wasser von außen fernhalten. Dachrinnen, Fallrohre, Geländegefälle – dieselben Hausaufgaben wie beim Fundament und Sockel. Dringt regelmäßig Wasser ein, ist ein Pumpensumpf mit Tauchpumpe oft die pragmatischste Lösung.
Wärmeschutz. Die Kellerdecke ist die Grenze zwischen kaltem Keller und warmem Erdgeschoss. Ebene Decken lassen sich von unten dämmen, wobei das Material feuchteunempfindlich sein muss und Balkenköpfe nicht eingepackt werden dürfen. Bei Gewölben dämmt man sinnvoller von oben, im Zuge eines neuen Bodenaufbaus im Erdgeschoss – und nur in Absprache mit dem Statiker, weil sich die Auflast ändert.
Haustechnik und Sicherheit. Steht die Heizung im Keller, gelten Anforderungen an den Aufstellraum (Verbrennungsluft, Brandschutz der Tür und Decke) – der Schornsteinfeger und der Heizungsbauer wissen, was aktuell verlangt wird. Elektroinstallation im feuchten Keller gehört in Feuchtraumausführung und in die Hand einer Elektrofachkraft. Und die Kellerstiege: steil, ausgetreten, dunkel. Ein fester Handlauf und gutes Licht sind die billigste Unfallverhütung im ganzen Haus.
Kurz gesagt
- Alte Keller sind als kühle, feuchte Vorratsräume gebaut – die Feuchte ist Funktion, nicht Schaden.
- Im Sommer nicht bei Wärme lüften: Warme Luft kondensiert an kalten Wänden. Nur lüften, wenn es draußen kälter ist als drinnen.
- Nicht von innen abdichten, nicht betonieren: Kalk, offene Fugen, Pflaster im Sandbett.
- Gewölbe sind Gleichgewichtssysteme; Eingriffe nur mit Tragwerksplaner.
- Holz im Keller regelmäßig kontrollieren, bei Pilzverdacht sofort einen Sachverständigen holen.
- Als Lager ist der alte Keller unschlagbar, als Wohnraum fast immer eine teure Enttäuschung.