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Sanierung6 Minuten

Bestandsaufnahme: wer prüft was?

Licht

Welche Fachleute ein altes Haus beurteilen, was ein Gutachten leistet und wie du dich mit einer eigenen Vorbegehung vorbereitest.

Ein altes Haus verrät viel, aber nicht jedem und nicht auf den ersten Blick. Wer nach zwei Besichtigungen kauft und nach drei Wochen den Putz abschlägt, lernt sein Haus auch kennen – nur eben auf die teure Art. Eine ordentliche Bestandsaufnahme kostet einen Bruchteil dessen, was eine einzige Fehlentscheidung kostet, und sie ist die Grundlage für alles Weitere: Kaufpreis, Planung, Budget, Reihenfolge.

Was eine Bestandsaufnahme klären soll

Im Kern geht es um vier Fragen:

  • Was ist da? Bauweise, Materialien, Umbauphasen, ungefähres Baualter.
  • Was ist kaputt – und warum? Der Schaden ist das eine, die Ursache das andere. Nur die Ursache sagt dir, was die Reparatur kostet.
  • Was ist erhaltenswert? Alte Dielen, Kastenfenster, Putze, ein Kachelofen – und alles, was unter Denkmalschutz steht oder stehen könnte.
  • Was kann das Haus werden? Nutzung, Grundriss, energetischer Standard, und was davon genehmigungsfähig und bezahlbar ist.

Keine einzelne Person beantwortet das alles gleich gut. Deshalb lohnt es sich zu wissen, wen man wofür holt.

Wer prüft was

Fachleute Wofür Wann
Bausachverständige für Gebäudeschäden Gesamtzustand, Feuchte, Risse, Schadensursachen, Kaufberatung vor dem Kauf, bei unklaren Schäden
Architektin oder Architekt mit Altbauerfahrung Bauaufnahme, Aufmaß, Sanierungskonzept, Genehmigung, Kosten, Bauleitung sobald du ernsthaft planst
Tragwerksplanung (Statik) Standsicherheit, verformte Decken, Dachstuhl, jeder Eingriff in tragende Teile bei Rissen, Durchbiegungen, Umbauten
Holzschutz-Sachverständige Pilz- und Insektenbefall, Restquerschnitte, Sanierungsumfang bei Verdacht, im Holzbau fast immer
Energieberatung Ist-Zustand, Sanierungsfahrplan, Fördervoraussetzungen vor Entscheidungen zu Dämmung, Fenstern, Heizung
Restauratorin oder Restaurator Befunduntersuchung an Putzen, Farbfassungen, Ausstattung im Denkmal, vor jedem Rückbau historischer Oberflächen
Schadstoffgutachter und Labor Probenahme, Analyse, Sanierungsempfehlung vor Rückbau, besonders bei Umbauten ab etwa 1950

Ein paar Dinge, die man wissen sollte: Die Bezeichnung „Sachverständiger” ist in Deutschland nicht geschützt. Ein Qualitätsmerkmal ist die öffentliche Bestellung und Vereidigung durch eine Kammer, daneben gibt es anerkannte Zertifizierungen. Wichtiger als jeder Titel ist aber die Altbauerfahrung. Wer sonst Neubauten abnimmt, erklärt dir jede Bruchsteinwand zum Sanierungsfall und jede schiefe Decke zum Abrissgrund. Frag nach vergleichbaren Objekten.

Dasselbe gilt für die Energieberatung: In der Expertenliste des Bundes gibt es eine eigene Qualifikation für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz. Solche Leute rechnen nicht nur U-Werte, sondern wissen auch, was eine Innendämmung an einer Fachwerkwand anrichten kann.

Holzschutz-Sachverständige arbeiten mit Bohrwiderstandsmessung, Endoskop und viel Erfahrung. Sie können sagen, ob ein Balkenkopf noch trägt oder nur noch so aussieht – und ob der Befall aktiv ist oder seit achtzig Jahren Geschichte. Mehr dazu unter Holzschädlinge.

Was ein Gutachten leistet – und was nicht

Es gibt grob drei Stufen: die Begehung mit mündlicher Einschätzung (typisch als Kaufberatung), den Kurzbericht mit Fotos und Prioritäten und das ausführliche schriftliche Gutachten mit Untersuchungen, etwa für Streitfälle oder komplexe Schäden. Für die Kaufentscheidung reicht meist die erste oder zweite Stufe. Eine Begehung liegt häufig im mittleren dreistelligen Bereich, ein schriftliches Gutachten schnell im vierstelligen (Richtwert, Stand Mitte der 2020er, regional stark schwankend).

Die Grenzen solltest du kennen:

  • Eine Begehung ist zerstörungsfrei. Was hinter Verkleidungen, unter Belägen und in Deckenhohlräumen steckt, bleibt Vermutung, solange niemand öffnet.
  • Handgeräte zur Feuchtebestimmung liefern Hinweise, keine belastbaren Werte. Salze verfälschen die Anzeige erheblich. Verlässlich sind Materialproben, die im Labor auf Feuchte- und Salzgehalt untersucht werden.
  • Ein Gutachten ist eine Momentaufnahme und keine Garantie. Es reduziert das Risiko, es beseitigt es nicht.
  • Ein Gutachten, das der Verkäufer beauftragt hat, liest du mit Interesse und einer Prise Skepsis.

Und: Wer an der Sanierung verdient, ist kein unabhängiger Gutachter. Die „kostenlose Feuchteanalyse” eines Trockenlegungsbetriebs endet erstaunlich oft mit einem Angebot für genau dessen Verfahren.

So läuft ein Ortstermin ab

  1. Vorgespräch und Unterlagen. Alles, was du auftreiben kannst: Pläne, Bauakte von Gemeinde oder Landratsamt, alte Fotos, Energieausweis, Rechnungen früherer Arbeiten, das Protokoll des Kaminkehrers.
  2. Rundgang außen. Gelände, Sockel, Fassade, Traufe, Dachrinnen, Dachfläche – gern mit Fernglas.
  3. Rundgang innen, systematisch von unten nach oben oder umgekehrt: Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss, Dachstuhl. Jeder Raum, auch der vollgestellte.
  4. Kleine Öffnungen, nur mit Zustimmung des Eigentümers: eine Diele anheben, Putz sondieren, mit dem Endoskop in den Fehlboden schauen.
  5. Abschlussgespräch mit einer Einordnung in drei Körbe: sofort sichern, im Zuge der Sanierung erledigen, beobachten.

Für ein Bauernhaus mit Nebengebäuden solltest du zwei bis vier Stunden einplanen. Sorge dafür, dass alle Räume zugänglich sind, inklusive Spitzboden und Kriechkeller, und dass jemand mit Schlüsselgewalt dabei ist.

Checkliste für die eigene Vorbegehung

Bevor du jemanden bezahlst, geh selbst durch – mit Taschenlampe, Kamera, Notizblock, Fernglas und einer Murmel für die Böden. Am aufschlussreichsten ist ein Termin bei Regen.

  • Gelände: Fällt es zum Haus hin? Liegt der Hof höher als der Fußboden innen? Spritzwasserspuren am Sockel?
  • Dach: Firstlinie gerade oder durchgesackt? Fehlende Ziegel, verstopfte Rinnen, Wasserränder am Gebälk?
  • Fassade: Risse – wo, wie breit, in welche Richtung? Hohl klingender Putz, dichte Anstriche, Zementsockel?
  • Wände unten: Feuchtehorizont, abplatzende Farbe, weiße Ausblühungen, muffiger Geruch? Die möglichen Gründe stehen unter Feuchtigkeit: die fünf Ursachen.
  • Holz: Balkenköpfe, Schwellen, Fußpunkte am Dachstuhl. Fraßmehl, würfelig brechendes Holz, weiche Stellen?
  • Decken und Böden: Schwingen sie, hängen sie durch, rollt die Murmel zügig in eine Ecke?
  • Fenster und Türen: Klemmen sie, sind Stürze gerissen?
  • Haustechnik: Alter der Heizung, Zustand des Sicherungskastens, Rohrmaterial, und wohin fließt eigentlich das Abwasser?
  • Umbauten der Nachkriegsjahrzehnte: Faserzementplatten, alte Bodenbeläge, Nachtspeicheröfen, Wellplatten auf dem Schuppen. Nichts anbohren, nichts abbrechen, nur notieren – siehe Schadstoffe.
  • Papierlage: Steht das Haus in der Denkmalliste? Sind Anbauten genehmigt? Wie ist das Grundstück erschlossen?

Und rede mit den Nachbarn. Die wissen, wann der Keller zuletzt unter Wasser stand.

Typische Fehler

  • Gutachter erst nach dem Kauf. Dann ist er nur noch Überbringer schlechter Nachrichten.
  • Eine Person für alles. Der Bausachverständige ersetzt weder die Statik noch das Schadstofflabor.
  • Entkernen, „um mal zu sehen”. Wer alles herausreißt, vernichtet Befunde, erhaltenswerte Substanz und manchmal die Aussteifung des Hauses.
  • Standardrezepte. Ein Sanierungsfahrplan, der für ein Haus von 1975 passt, kann ein Haus von 1820 ruinieren.
  • Nichts dokumentieren. Fotos, Skizzen und ein Raumbuch (Raum für Raum: Boden, Wand, Decke, Fenster, Zustand) sparen später viele Diskussionen.

Die sinnvolle Reihenfolge

Erst die eigene Vorbegehung und die Unterlagen. Dann – vor dem Notartermin – ein Gesamtbild durch Bausachverständige oder ein altbauerfahrenes Architekturbüro. Danach gezielt die Spezialisten, die das Gesamtbild nahelegt: Statik, Holzschutz, Schadstoffe, Restaurierung. Dann Aufmaß und Raumbuch, daraus Sanierungskonzept und Kostenrahmen. Das Energiekonzept gehört in dieses Gesamtkonzept hinein, nicht davor. Wer dafür kein eingespieltes Team findet: Sanierung anfragen.

Kurz gesagt

  • Bestandsaufnahme heißt: verstehen, was da ist, was kaputt ist, warum – und was bleiben soll.
  • Kein Einzelner kann alles; Bausachverständige, Statik, Holzschutz, Energieberatung, Restaurierung und Labor ergänzen sich.
  • Altbauerfahrung zählt mehr als Titel. Unabhängig ist nur, wer an der Sanierung nicht verdient.
  • Ein Gutachten senkt das Risiko, ersetzt aber weder Bauteilöffnungen noch Laborproben.
  • Die eigene Vorbegehung mit Checkliste macht jeden Fachtermin kürzer und besser.
  • Erst prüfen, dann kaufen, dann planen, dann öffnen – in dieser Reihenfolge.

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