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Hausformen7 Minuten

Stadel, Stall, Austragshaus, Getreidekasten: die Nebengebäude

Licht

Vom Stadel bis zur Hofkapelle: wozu die Nebengebäude eines Hofs dienten, wie sie gebaut sind und was sie beim Kauf an Chancen und Pflichten mitbringen.

Im Exposé steht „Bauernhaus mit Nebengebäuden“, und gemeint ist alles vom turnhallengroßen Stadel bis zum windschiefen Bretterverschlag. Dabei erzählen gerade die kleinen Bauten, wie ein Hof funktioniert hat: wo das Getreide sicher lag, wo gebacken wurde, wohin die Alten zogen. Und sie entscheiden mit darüber, ob ein Anwesen ein überschaubares Projekt ist oder eine Lebensaufgabe.

Warum ein Hof so viele Gebäude hat

Drei Gründe ziehen sich durch. Brandschutz: Alles, was mit Feuer zu tun hatte – Backofen, Flachsdarre, Waschkessel –, und alles, was einen Brand überstehen musste – Saatgut, Vorräte, Wertsachen –, stellte man mit Abstand zum Wohnhaus auf. Spezialisierung: Heu, Garben, Wagen, Vieh und Menschen brauchen unterschiedliche Räume, und je größer der Hof, desto eher bekam jede Funktion ein eigenes Dach. Generationenfolge: Wer den Hof übergab, brauchte eine eigene Bleibe. Welche Bauten wo üblich waren, hängt von der Hofform ab; den Rahmen dafür gibt der Überblick über die Hofformen.

Die Gebäude im Überblick

Gebäude Zweck übliche Bauweise
Stadel (Scheune, Scheuer) Garben, Stroh, Heu, Dreschen, Wagen Holzständerbau, verbrettert; regional Bundwerk, Fachwerk oder Bruchstein
Stall Vieh, darüber Heu gemauert, teils gewölbt; ältere in Holz
Austragshaus (Zuhaus) Wohnung der Altbauern kleines Wohnhaus in der Bauweise der Gegend
Getreidekasten (Troadkasten) Getreide, Vorräte, Wertsachen kleiner, zweigeschossiger Blockbau
Backhaus Brot backen gemauerter Ofen mit kleinem Vorraum
Waschhaus Wäsche, oft auch Schlachten und Brennen gemauert, mit Kessel und Kamin
Remise, Schupfen Wagen, Gerät, Brennholz offener Holzständerbau
Bienenhaus Bienenstöcke leichter Holzbau, nach Südosten offen
Hofkapelle Andacht, Gelübde gemauert, verputzt, kleiner Dachreiter

Stadel

Der Stadel – in Schwaben und Franken eher Scheuer oder Scheune – ist fast immer das größte Gebäude. Seine Mitte ist die Tenne, ein befahrbarer Raum mit großen Toren, in dem früher mit dem Flegel gedroschen wurde. Links und rechts liegen die hohen Lagerräume für Garben, Stroh und Heu, die bis unters Dach reichen. Konstruktiv ist der Stadel ein Holzgerüst aus Ständern, Riegeln und Streben, außen senkrecht verbrettert, auf einem niedrigen Steinsockel. Im östlichen Oberbayern und in Niederbayern ist das Gerüst oft als Bundwerk ausgebildet, in Franken als Fachwerk mit Lehm- oder Steinausfachung, im Jura und in Teilen der Oberpfalz stehen massive Bruchsteinstadel.

Ein Stadel ist auf Durchlüftung gebaut. Das hält das Holz gesund, solange Dach und Fußpunkte in Ordnung sind. Schäden sitzen an den Schwellen, an den Ständerfüßen und dort, wo ein Loch im Dach jahrelang auf denselben Balken getropft hat. Was bei einer neuen Nutzung zu bedenken ist, steht unter Stadel und Stall umnutzen.

Stall

Wo der Stall nicht im Haupthaus liegt, ist er ein eigener, meist gemauerter Bau, im 19. Jahrhundert gern mit böhmischen Kappen oder Kappendecken überwölbt – das war feuersicher, hielt die Stallfeuchte vom Heu fern und zeigte Wohlstand. Das Problem alter Ställe ist unsichtbar: Urin und Mist haben über Generationen Salze ins Mauerwerk gebracht. Die Wände ziehen Feuchte aus der Luft, Putz und Farbe halten nicht. Für eine Wohnnutzung braucht es eine Laboruntersuchung und ein Konzept; als Werkstatt, Lager oder Fahrradstall ist der alte Stall dagegen sofort brauchbar.

Austragshaus (Zuhaus)

Mit der Hofübergabe zogen die Altbauern in den Austrag: Sie bekamen vertraglich Wohnung, Kost und Versorgung zugesichert. Auf größeren Höfen gab es dafür ein eigenes kleines Haus, je nach Gegend Austragshaus, Austragshäusl, Zuhaus, Ausnahmhaus oder im Bayerischen Wald Inhaus genannt. Es ist ein Bauernhaus im Kleinformat: Stube, Küche, Kammer, manchmal ein winziger Stall für eine Kuh oder ein paar Hühner.

Für Käufer ist das Zuhaus oft das interessanteste Nebengebäude. Es war immer Wohnhaus, ist überschaubar groß und eignet sich als erste Bauetappe, in der man wohnt, während das Haupthaus dran ist. Aber: Ob eine seit Jahrzehnten leerstehende Wohnnutzung rechtlich noch besteht, ist nicht selbstverständlich. Frag das Bauamt, bevor du damit planst.

Getreidekasten (Troadkasten)

Der Getreidekasten ist der Tresor des Hofs: ein kleiner, meist zweigeschossiger Blockbau aus besonders sorgfältig gefügten Balken, der frei steht, auf Steinen oder einem gemauerten Sockel aufgeständert ist und eine massive, oft kunstvoll beschlagene Tür hat. Drinnen lagerten in Holzverschlägen das gedroschene Getreide und das Saatgut, dazu Selchfleisch, Schmalz, Leinen, die gute Tracht und wichtige Papiere. Freistehend blieb er bei einem Hausbrand verschont, aufgeständert blieb er trocken und für Mäuse schwerer erreichbar.

Getreidekästen sind vor allem im südlichen Bayern und im Alpenraum verbreitet. Sie gehören nicht selten zu den ältesten Gebäuden eines Hofs, weil sie nie beheizt, nie umgebaut und immer gepflegt wurden. Da sie als bewegliche Habe galten, wurden sie auch verkauft und versetzt – ein Kasten muss also nicht von dem Hof stammen, auf dem er steht. Heute sind sie fast immer denkmalwürdig. Sanierung heißt hier: Dach dicht, Sockel trocken, sonst in Ruhe lassen.

Backhaus und Waschhaus

Der Backofen stand wegen der Brandgefahr abseits, oft am Rand des Obstgartens: ein gemauertes Ofengewölbe mit Lehm- oder Ziegelkuppel, davor ein kleines Dach oder ein Vorraum. In Franken und Teilen Schwabens gab es statt vieler hofeigener Öfen häufig ein Gemeindebackhaus im Dorf. Ein erhaltener Ofen lässt sich oft wieder in Betrieb nehmen; vor dem ersten Feuer sollte aber jemand mit Ofenbauerfahrung das Gewölbe und den Abzug anschauen.

Das Waschhaus hat einen eingemauerten Kessel mit Feuerung und einen Kamin. Oft wurde hier auch geschlachtet, Schweinefutter gedämpft oder Schnaps gebrannt. Verwandt sind die kleinen Brechhäuser oder Flachsdarren, in denen Flachs über Feuer getrocknet wurde – wegen der Brandgefahr grundsätzlich weit weg vom Hof und deshalb heute fast alle verschwunden.

Remise, Schupfen, Holzlege

Offene oder halboffene Ständerbauten für Wagen, Schlitten, Pflug und Brennholz. Baulich anspruchslos, aber im Alltag auf dem Land bis heute unentbehrlich. Schupfen wurden im 20. Jahrhundert gern mit Wellplatten aus Faserzement gedeckt. Bei älteren Platten ist von Asbest auszugehen, bis das Gegenteil feststeht – nicht brechen, nicht bohren, nicht mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten, sondern den Rückbau einem Fachbetrieb überlassen. Mehr unter Schadstoffe im Altbau.

Bienenhaus und Hofkapelle

Das Bienenhaus ist ein leichter Bretterbau mit Pultdach, vorn offen oder mit Fluglöchern, nach Südosten ausgerichtet. Viele sind verfallen, weil sie niemand als erhaltenswert ansah; die übrig gebliebenen verdienen ein neues Dach.

Die Hofkapelle geht oft auf ein Gelübde zurück – nach Krankheit, Viehseuche, Krieg oder Unglück. Sie gehört zum Hof und damit dem Eigentümer, samt Bauunterhalt und manchmal samt einer Ausstattung, die kunsthistorisch mehr wert ist als der Rest des Anwesens. Kapellen stehen häufig eigens in der Denkmalliste. Wer einen Hof mit Kapelle kauft, übernimmt ein Stück Ortsgeschichte; oft hängen Nachbarn und Pfarrgemeinde daran, und das ist ein guter Anlass, sich vorzustellen.

Was das für Kauf und Sanierung heißt

Jedes Dach zählt. Nebengebäude verfallen vom Dach her, und zwar schnell. Wer einen Hof übernimmt, macht als Erstes alle Dächer und Rinnen dicht, notfalls provisorisch. Das kostet wenig im Vergleich zu dem, was ein eingestürzter Stadel an Substanz und Möglichkeiten vernichtet.

Nicht vorschnell abreißen. Im Außenbereich ist ein Nebengebäude, das einmal weg ist, in der Regel für immer weg – ein Ersatzbau wird nicht ohne Weiteres genehmigt. Auch der unscheinbare Schupfen ist genehmigter Bestand und später vielleicht die Garage, die du sonst nicht bauen dürftest. Die Rechtslage ist kompliziert und wird örtlich unterschiedlich gehandhabt; verbindlich ist nur die Auskunft der Baubehörde.

Denkmalstatus für jedes Gebäude prüfen. In der Denkmalliste steht oft genau, welche Bauten eines Hofs geschützt sind. Getreidekasten, Backhaus und Kapelle sind häufig eigens genannt. Nachschauen kannst du im Denkmal-Atlas.

Alte Holzschutzmittel. Dachstühle und Holzbauteile, die zwischen den 1950er und 80er Jahren „gegen den Wurm“ gestrichen wurden, können mit gesundheitsschädlichen Wirkstoffen belastet sein. Das ist in einem offenen Stadel weniger kritisch als in einem ausgebauten, gehört aber vor jeder Umnutzung durch ein Labor geklärt.

Reihenfolge und Ehrlichkeit. Nicht jedes Nebengebäude braucht eine neue Nutzung. Trocken, standsicher und gepflegt dazustehen, ist für einen Troadkasten oder ein Backhaus Nutzung genug. Heb dir die großen Pläne für den Stadel auf, bis das Wohnhaus fertig ist.

Kurz gesagt

  • Nebengebäude erklären sich aus Brandschutz, Spezialisierung und Generationenfolge – nichts davon steht zufällig da, wo es steht.
  • Der Stadel ist das größte Volumen, der Stall das mit der Salzlast, das Austragshaus oft der beste Einstieg ins Wohnen.
  • Getreidekasten, Backhaus und Hofkapelle sind klein, aber häufig die ältesten und wertvollsten Bauten am Hof.
  • Zuerst alle Dächer sichern; im Außenbereich nichts abreißen, ohne vorher mit der Baubehörde gesprochen zu haben.
  • Bei Wellplatten und alten Holzanstrichen an Schadstoffe denken und Fachleute einschalten.

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