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Epochen5 Minuten

1945–1960: Nachkriegszeit, Mangel und Improvisation

Licht

Hohlblocksteine, dünne Wände, viel Eigenleistung: was Häuser der Nachkriegszeit auf dem Land ausmacht, wo sie schwächeln und wie du sie sanierst.

Nach 1945 mussten in Bayern Hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht werden, viele davon auf dem Land. Gebaut wurde schnell, billig und mit dem, was aufzutreiben war – häufig von den künftigen Bewohnern selbst, nach Feierabend und am Samstag. Die Häuser dieser Jahre sind ehrlich, klein und bescheiden. Wer eines kauft, bekommt meist ein großes Grundstück, eine brauchbare Grundsubstanz und eine lange Liste von Dingen, die damals schlicht nicht vorgesehen waren.

Was in dieser Zeit gebaut wird

Am Ortsrand entstehen Siedlungen mit einheitlichen Haustypen, häufig als Nebenerwerbssiedlung mit Stallanbau und Gartenland. Die Form übernimmt man aus der Vorkriegszeit: anderthalb Geschosse, Satteldach, Putzfassade. Auf den Höfen wird repariert und ergänzt; größere Neubauten kommen erst mit dem Aufschwung gegen Ende der 1950er. Dazu kommen Behelfsheime und Baracken, von denen manche – mehrfach überformt – bis heute als Wohnhaus dienen. Bei solchen Objekten lohnt ein besonders genauer Blick in die Bauakte: Nicht alles, was seit siebzig Jahren steht, wurde je als dauerhaftes Wohnhaus genehmigt.

Woran du die Bauzeit erkennst

  • Schlichter, kompakter Baukörper mit Satteldach zwischen etwa 35 und 50 Grad, knapper Dachüberstand, keine Zierformen.
  • Fenster noch hochformatig oder annähernd quadratisch, zwei- oder dreiflügelig, zunächst mit Sprossen, im Lauf der 1950er zunehmend ohne. Als Konstruktion verbreitet sich das Verbundfenster: zwei Flügel, die miteinander verschraubt sind und gemeinsam öffnen.
  • Kleine Räume, Raumhöhe um 2,40 bis 2,50 Meter, Wohnküche, winziges oder nachträglich eingebautes Bad.
  • Mehrere Kamine, weil jedes Zimmer seinen Ofen hatte.
  • Betonteile tauchen auf: Fensterstürze, Kellerdecke, Treppenstufen vor dem Haus, Kellerlichtschächte.
  • Typische Oberflächen der späten 1950er: Terrazzo-Fensterbänke, kleine Mosaikfliesen, Linoleum, Türen mit glatten Sperrholzblättern, Drückergarnituren aus Leichtmetall.

Die Bauakte ist für diese Zeit meist vorhanden und gibt Wandaufbau und Baujahr zuverlässig an. Wie du sie findest, steht unter Baualter bestimmen.

Materialien und Konstruktionen

Wände. Das Material der Zeit ist der Hohlblockstein aus Bims-, Schlacken- oder Ziegelsplittbeton, daneben Vollziegel, erste Hochlochziegel und mancherorts wiederverwendete Abbruchziegel. Außenwände sind oft nur 24 bis 30 Zentimeter dick. Steine wurden teils in Handformen vor Ort selbst hergestellt; entsprechend schwankt die Festigkeit. Der Mörtel ist häufig mager, weil Zement und Kalk knapp waren.

Decken. Über dem Keller Stahlbeton, Stahlsteindecken oder Träger mit eingehängten Hohlkörpern. Über dem Erdgeschoss je nach Geldbeutel eine Massivdecke oder weiterhin eine Holzbalkendecke mit knappen Querschnitten. Betonqualität und Betondeckung der Bewehrung sind nicht mit heutigen Standards vergleichbar.

Dach. Schlanke Sparren, oft aus nicht ganz trockenem oder zweitverwendetem Holz, einfache Ziegeldeckung ohne Unterdach. Der Dachraum war Speicher oder Kammer, gedämmt war er nicht – allenfalls mit Holzwolle-Leichtbauplatten verkleidet.

Keller. Stampfbeton oder Hohlblock, niedrig, mit Bitumenanstrich als einziger Außenabdichtung. Eine waagrechte Sperre aus Bitumenpappe ist üblich, inzwischen aber oft spröde.

Böden. Dielen, Steinholz, Linoleum, später erste Kunststoffbeläge. Parkett und Holzpflaster wurden häufig mit schwarzen, teer- oder bitumenhaltigen Klebern verlegt.

Heizung und Technik. Einzelöfen für Holz und Kohle, Badeofen, einfache Elektroinstallation mit wenigen Stromkreisen und ohne die heutigen Schutzeinrichtungen. Wasserleitungen aus verzinktem Stahl, Abwasser aus Guss oder Steinzeug.

Typische Schwachstellen

Wärmeschutz knapp über null. Dünne Wände, ungedämmtes Dach, einfach- oder verbundverglaste Fenster, ungedämmte Kellerdecke: Unsaniert verbraucht so ein Haus ein Mehrfaches dessen, was heute üblich ist. Die gute Nachricht ist, dass jede Maßnahme sofort spürbar wirkt.

Schwankende Materialqualität. Bröselnde Hohlblocksteine, absandender Mörtel, Beton mit Kiesnestern. Ein paar Probeöffnungen an unauffälligen Stellen sagen mehr als jede Vermutung. Wenn Wände umgebaut oder Lasten erhöht werden sollen, braucht es einen Tragwerksplaner, der die Substanz tatsächlich untersucht.

Feuchte Keller und Sockel. Die Abdichtungen sind am Ende ihrer Lebensdauer. Feuchteflecken im Sockelbereich und muffige Keller sind die Regel. Die Ursachen sauber zu trennen – aufsteigend, seitlich eindringend, Kondensat – ist der erste Schritt; dazu Feuchtigkeit: die fünf Ursachen.

Schallschutz. Leichte Decken, dünne Innenwände, durchlaufende Dielen. Man hört, wer oben geht, und zwar mit Schuhgröße.

Anbauten in Serie. Kaum ein Haus dieser Zeit ist unverändert. Windfang, Badanbau, aufgestockter Stall, Garage, Wintergarten – jede Generation hat angestückelt, nicht immer mit Genehmigung und selten mit durchdachten Anschlüssen. Setzungsrisse zwischen Haus und Anbau sind typisch.

Schadstoffe

Die Nachkriegszeit markiert den Beginn der Jahrzehnte, in denen problematische Baustoffe zum Alltag wurden. In Häusern bis 1960 findest du vor allem:

Stoff Wo er typischerweise steckt Relevanz
PAK (Teer) schwarze Parkett- und Holzpflasterkleber, Teerpappen, Kelleranstriche bei Ausbau und beschädigten Böden
Asbest Asbestzementplatten an Dach und Giebel, Ofenschnüre, Rohre, teils Steinholz; ab den späten 1950ern erste Flexplatten bei jeder Bearbeitung oder Beschädigung
Holzschutzmittel behandelte Dachstühle und Holzverkleidungen, verstärkt ab den 1950ern Innenraumluft, Staub
Schlacke Deckenschüttungen beim Öffnen der Decke
Blei alte Ölfarben, selten Leitungen beim Schleifen und Abbrennen

Dazu kommt alles, was bei Modernisierungen in den 1960ern und 1970ern eingebaut wurde – und das ist bei diesen Häusern meist eine ganze Menge; siehe 1960–1980. Für alle genannten Stoffe gilt: Verdacht notieren, Proben durch Fachleute nehmen lassen, Ausbau durch zugelassene Betriebe. Nicht anbohren, nicht schleifen, nicht selbst herausreißen. Den Überblick gibt Schadstoffe im Altbau.

Was das für die Sanierung heißt

Erst rechnen, dann verlieben. Ein Nachkriegshaus ist in der Anschaffung günstig, aber die Sanierung umfasst praktisch alles: Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Elektro, Sanitär, Böden, oft auch Grundrissänderungen. Das läuft schnell auf Summen hinaus, die den Kaufpreis übersteigen. Eine ehrliche Aufstellung vor dem Kauf hilft, siehe Kosten und Budget.

Die Hülle lässt sich gut verbessern. Schlichte Fassaden ohne Denkmalwert vertragen eine Außendämmung, das Dach wird ohnehin neu gedeckt und dabei gedämmt, die Kellerdecke wird von unten gedämmt, soweit die Raumhöhe das zulässt. Danach ist das Haus energetisch ein anderes. Eine Energieberatung legt die sinnvolle Reihenfolge fest und kennt den aktuellen Stand der Förderung.

Feuchte vor Dämmung. Eine feuchte Sockelzone gehört saniert, bevor Dämmplatten davorkommen. Sonst wird aus einem sichtbaren Problem ein verstecktes.

Tragwerk respektieren. Aufstocken, Dachgauben, große Wandöffnungen: Bei knappen Fundamenten und weichen Steinen ist das kein Selbstläufer. Manchmal ist der ehrliche Befund, dass ein Ersatzneubau wirtschaftlicher wäre. Das Gegenargument heißt graue Energie – was steht, muss nicht neu hergestellt werden – und verdient, mitgerechnet zu werden.

Heizung neu denken. Mit verbesserter Hülle und größeren Heizflächen kommen auch diese Häuser mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Was im Einzelfall passt, steht unter Heizung im Altbau. Nicht mehr benötigte Kamine können stillgelegt werden; ob sie abgebrochen werden dürfen, ohne dass etwas nachrutscht, prüft der Fachmann.

Kurz gesagt

  • Nachkriegshäuser sind klein, schlicht und oft in Eigenleistung mit knappen Mitteln gebaut.
  • Typisch: Hohlblocksteine, 24 bis 30 Zentimeter Außenwand, schlanker Dachstuhl, Einzelöfen, minimales Bad.
  • Die Materialqualität schwankt stark. Vor Umbauten Substanz untersuchen lassen.
  • Schadstoffe beginnen hier zum Thema zu werden: Teerkleber, Asbestzement, Holzschutzmittel, Schlacke – Hände weg, Labor und Fachbetrieb ran.
  • Energetisch lässt sich sehr viel holen, aber die Sanierung ist fast immer eine Komplettsanierung. Vor dem Kauf durchrechnen.

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