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Epochen6 Minuten

1980–2000: Die ersten Wärmeschutzverordnungen

Licht

Porosierte Ziegel, Isolierglas, erste Dämmung und viele Wärmebrücken: was Häuser der 1980er und 1990er können, wo sie schwächeln und was sich lohnt.

Ein Haus von 1988 fühlt sich für viele nicht nach Altbau an – man ist ja selbst in so einem aufgewachsen. Trotzdem ist es bald vierzig Jahre alt, hat die erste Heizung hinter sich, das zweite Bad nötig und eine Dämmung, die den Namen nach heutigem Verständnis nur halb verdient. Dafür ist die Substanz in aller Regel gesund, und die Sanierung lässt sich in überschaubaren Schritten planen.

Der Hintergrund: Energiesparen wird Vorschrift

Nach den Ölkrisen der 1970er wurde Wärmeschutz erstmals gesetzlich geregelt. Auf die erste Wärmeschutzverordnung von 1977 folgten verschärfte Fassungen, die etwa 1984 und 1995 in Kraft traten; 2002 löste die Energieeinsparverordnung sie ab. Jede Stufe brachte etwas dickere Dämmung und bessere Fenster. Für dich heißt das: Das Baujahr sagt in dieser Epoche recht genau, was du energetisch erwarten kannst. Ein Haus von 1982 und eines von 1997 trennen Welten, auch wenn sie von außen ähnlich aussehen.

Bauzeit (etwa) Außenwand typisch Fenster typisch Dachdämmung typisch
frühe 1980er 30–36,5 cm Hochlochziegel oder Bims, ohne Zusatzdämmung Zweischeiben-Isolierglas der ersten Generation 6–10 cm Mineralwolle
späte 1980er bis Mitte 1990er 36,5 cm porosierter Ziegel oder Porenbeton, teils dünne Außendämmung Isolierglas, bessere Rahmen und Dichtungen 10–14 cm
ab Mitte 1990er porosierter Ziegel mit verbesserten Werten oder Wand mit Wärmedämmverbundsystem Wärmeschutzverglasung mit Beschichtung und Gasfüllung 14–20 cm

Die Angaben sind grobe Richtwerte; was wirklich verbaut wurde, steht in der Bauakte und im Zweifel in der Wand.

Woran du die Bauzeit erkennst

  • Das Dach wird wieder steiler, 38 bis 45 Grad, mit Gauben, Dachflächenfenstern und voll ausgebautem Dachgeschoss. Im Oberland bleibt das flachere Dach mit weitem Überstand.
  • Landhaus-Zitate. Umlaufender Holzbalkon mit ausgesägten Brettern, Holzverschalung im Giebel, aufgemalte Fensterumrahmungen, Rundbogen über der Haustür, Erker. Der Volksmund nennt das Jodlerstil. In Franken und Schwaben das Pendant mit Krüppelwalm und Klinkersockel.
  • Sprossen im Scheibenzwischenraum oder aufgeklebt – Sprossenfenster-Optik ohne deren Konstruktion.
  • Wintergarten, in den 1990ern fast obligatorisch.
  • Innen: Fliesen in Beige und Braun, später Weiß mit Bordüre; Holzdecken, die ab den 1990ern heller werden; offene Treppen aus Holz auf Stahlwangen; Wohn-Ess-Bereich mit offenem Kamin oder Kachelofen als Zusatzheizung.
  • Technik: Öl- oder Gas-Niedertemperaturkessel, ab den 1990ern Brennwertgeräte; Fußbodenheizung im Erdgeschoss, Heizkörper oben; erste Solaranlagen für Warmwasser.

Materialien und Konstruktionen

Wand. Der Standard in Bayern ist die einschalige Wand aus porosiertem Hochlochziegel, 30 bis 36,5 Zentimeter, verputzt. Daneben Porenbeton, Bims und Kalksandstein mit Außendämmung. Frühe Wärmedämmverbundsysteme haben meist nur vier bis acht Zentimeter Polystyrol oder Mineralwolle.

Dach. Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle, innen eine Kunststofffolie als Dampfbremse, darunter Gipskarton oder Holzverkleidung. Außen unter den Ziegeln liegt häufig eine Unterspannbahn, die kaum Wasserdampf durchlässt; manche dieser frühen Folien zerfallen inzwischen.

Decken und Keller. Stahlbeton, Vollkeller, häufig teilweise zu Wohnzwecken ausgebaut. Schwimmender Estrich mit Trittschall- und etwas Wärmedämmung.

Fenster. Holz- oder Kunststoffrahmen mit Zweischeiben-Isolierglas. Das Herstellungsjahr steht oft im Abstandhalter zwischen den Scheiben eingeprägt – ein praktisches Detail bei der Besichtigung.

Typische Schwachstellen

Luftdichtheit. Das Thema war bekannt, aber auf der Baustelle nicht angekommen. Folien wurden überlappt statt verklebt, Anschlüsse an Giebelwände, Pfetten und Dachfenster blieben offen. Durch solche Fugen strömt warme, feuchte Raumluft in die Dämmung und kondensiert dort. Feuchte oder verfärbte Mineralwolle, dunkle Ränder an der Unterspannbahn und Zugluft an Steckdosen im Dachgeschoss sind die Indizien.

Wärmebrücken. Gegenüber den 1970ern entschärft, aber nicht beseitigt: Rollladenkästen, Deckenränder, Fensterstürze, Balkonplatten. Thermisch getrennte Balkonanschlüsse setzen sich erst im Lauf der Epoche durch. Auch der Erker mit auskragender Bodenplatte und der Sockelbereich sind kalte Stellen.

Wintergärten und Anbauten. Undichte Anschlüsse ans Haus, blinde Scheiben, verrottete Holzprofile, Überhitzung im Sommer. Ein Wintergarten von 1992 ist selten ein Pluspunkt im Exposé, auch wenn er dort so steht.

Frühe Fußbodenheizungen. Kunststoffrohre waren bis etwa in die späten 1980er häufig nicht sauerstoffdicht. Der eindringende Sauerstoff lässt Stahlteile im Heizkreis rosten, der Schlamm setzt die Rohre zu. Eine Wasseranalyse und eine Prüfung durch den Heizungsbauer zeigen, ob Spülen und Systemtrennung reichen.

Isolierglas am Ende. Der Randverbund hält nicht ewig. Beschlagen die Scheiben innen im Zwischenraum, ist das Glas fällig; der Rahmen kann oft bleiben.

Flachdächer, Garagen, Kellerabdichtung. Bitumenbahnen dieser Zeit sind nach dreißig bis vierzig Jahren verbraucht. Ausgebaute Kellerräume ohne ausreichende Abdichtung und Dämmung riechen muffig, sobald sie beheizt und möbliert sind.

Schadstoffe: weniger, aber nicht null

Die 1980er sind eine Übergangszeit. Näherungsweise gilt:

  • Asbest wurde in Deutschland 1993 endgültig verboten. Bis dahin kann er in Dach- und Fassadenplatten, aber auch in Fliesenklebern, Spachtelmassen und Putzen stecken – gerade Letzteres wird oft übersehen.
  • Holzschutzmittel mit PCP sind seit 1989 verboten. Holzdecken, Balkone und Dachstühle der frühen 1980er können noch behandelt sein.
  • Mineralwolle aus der Zeit vor etwa Mitte der 1990er gilt als „alte” Faser mit Krebsverdacht; erst seit 2000 dürfen nur noch die neueren, biolöslichen Fasern verwendet werden. Da Dach und Trittschall fast immer mit Mineralwolle gedämmt sind, betrifft das nahezu jedes Haus bis in die 1990er.
  • Formaldehyd aus Spanplatten ist ab den 1980ern begrenzt, aber in Einbauten und Fertighäusern der Zeit noch ein mögliches Thema.

Im bewohnten Zustand ist das meiste davon unkritisch, weil es eingebaut und abgedeckt ist. Beim Umbau ändert sich das. Lass vor Abbrucharbeiten Proben nehmen, und überlass den Ausbau von Asbestprodukten und alter Mineralwolle Betrieben mit der nötigen Sachkunde. Mehr unter Schadstoffe im Altbau.

Was das für die Sanierung heißt

Die Wand ist meist gut genug. Eine 36,5er Wand aus porosiertem Ziegel ist kein Passivhausbauteil, aber auch kein Notfall. Oft ist es wirtschaftlicher, zuerst Dach, Fenster, Kellerdecke und Heizung anzugehen und die Fassade erst zu dämmen, wenn ohnehin ein neuer Putz ansteht.

Das Dach richtig machen. Wenn neu gedeckt wird, ist eine Sanierung von außen sinnvoll: alte Dämmung fachgerecht raus, Luftdichtheit herstellen, neue Dämmung zwischen und über den Sparren, diffusionsoffenes Unterdach. Der Knackpunkt ist die Luftdichtheitsebene, die von außen um die Sparren geführt werden muss – das gehört geplant und nicht auf dem Gerüst improvisiert. Grundlagen unter Dach sanieren und dämmen.

Fenster differenziert betrachten. Bei gesunden Holz- oder Kunststoffrahmen der 1990er kann ein Glastausch genügen. Fenster der frühen 1980er sind meist ein Fall für den Komplettaustausch; die Abwägung steht unter Fenster: aufarbeiten oder tauschen?.

Heizung. Häuser dieser Epoche sind mit Fußbodenheizung oder ausreichend großen Heizkörpern häufig schon mit moderaten Verbesserungen an der Hülle für eine Wärmepumpe geeignet. Das muss am konkreten Haus berechnet werden; Näheres unter Heizung im Altbau. Beim Eigentümerwechsel können gesetzliche Nachrüstpflichten greifen, etwa für alte Heizkessel oder ungedämmte oberste Geschossdecken. Den aktuellen Stand nach Gebäudeenergiegesetz und die Fördermöglichkeiten klärst du mit einer Energieberatung.

Lüftung mitdenken. Je dichter das Haus nach der Sanierung ist, desto weniger verzeiht es nachlässiges Lüften. Ob Fensterlüftung reicht oder eine einfache Lüftungsanlage sinnvoll ist, gehört ins Sanierungskonzept; siehe Lüften und Raumklima.

Gestalterisch ehrlich bleiben. Aus dem Landhaus von 1990 wird kein Bauernhaus und keine Villa der klassischen Moderne. Ruhigere Farben, ein schlichterer Balkon und ein entrümpelter Garten tun oft mehr als der große Umbau.

Kurz gesagt

  • Häuser von 1980 bis 2000 sind konstruktiv solide und die ersten mit planmäßiger Wärmedämmung – nach heutigem Verständnis aber dünn und lückenhaft.
  • Das genaue Baujahr zählt: Zwischen früher 1980er- und später 1990er-Bauweise liegen deutliche Unterschiede bei Wand, Fenster und Dach.
  • Schwachstellen sind fehlende Luftdichtheit im Dach, Wärmebrücken, gealtertes Isolierglas, frühe Fußbodenheizungen und Wintergärten.
  • Schadstofffrei sind diese Häuser nicht automatisch: Asbest bis 1993, PCP bis 1989, alte Mineralwolle bis in die 1990er. Vor Abbruch prüfen lassen.
  • Die Sanierung lässt sich gut in Etappen planen: Dach, Fenster, Heizung, später Fassade – mit einem Gesamtkonzept von Anfang an.

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