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Sanierung5 Minuten

Dach sanieren und dämmen

Licht

Oberste Geschossdecke oder Dachschräge, zwischen oder auf den Sparren: wie du ein altes Dach dicht, warm und schadensfrei bekommst.

Das Dach ist der Hut des Hauses. Solange er dicht ist, verzeiht ein altes Haus erstaunlich viel; wenn nicht, geht es schnell. Deshalb steht das Dach in fast jeder Sanierung weit vorn – und gleichzeitig ist es der Ort, an dem mit wenig Aufwand am meisten Heizenergie zu sparen ist. Bevor du aber Dämmpakete bestellst, steht eine schlichte Frage an.

Die erste Entscheidung: Wird der Dachraum bewohnt?

Alte Dachböden waren Kalträume: Speicher, Getreideboden, Wäscheboden. Das kalte, durchlüftete Dach über einer warmen Decke ist eine der robustesten Konstruktionen überhaupt. Kleine Undichtheiten trocknen ab, das Holz bleibt sichtbar und kontrollierbar, Holzschädlinge fallen auf, bevor sie Schaden anrichten.

Wenn du den Dachraum nicht brauchst, dämmst du die oberste Geschossdecke und lässt das Dach kalt. Das ist die günstigste, wirksamste und reversibelste Dämmmaßnahme im ganzen Haus. Möglich sind begehbare Platten auf dem bestehenden Boden oder Schüttungen und Einblasdämmstoffe zwischen den Balken. Wichtig ist die Luftdichtheit von unten: Durch Fugen in der Decke darf keine warme Raumluft in die Dämmung strömen. Bodentreppe, Kaminanschluss und Leitungsdurchführungen sind die üblichen Lecks. Wie die Decken aufgebaut sind, steht unter Holzbalkendecken.

Wenn der Dachraum Wohnraum werden soll, wird es aufwendiger: Dämmung in der Schräge, Luftdichtheit, Belichtung, Brandschutz, zweiter Rettungsweg, oft eine Baugenehmigung. Und die Statik muss mitspielen.

Erst reparieren, dann dämmen

Eine Dämmung auf einem kranken Dachstuhl versteckt den Schaden und beschleunigt ihn. Vorher zu prüfen:

  • Fußpunkte und Traufe. Dort, wo Sparren und Deckenbalken auf der Mauer liegen, sammelt sich seit Generationen jedes Leck. Faule Sparrenfüße und Mauerlatten sind der häufigste Befund.
  • Kehlen, Grate, Kaminanschlüsse, Gauben. Überall, wo Blech ins Spiel kommt, altert das Dach schneller.
  • Verformungen. Durchhängender First, ausweichende Traufe, gelöste Holzverbindungen – das ist Arbeit für Zimmerei und Tragwerksplanung. Mehr zur Konstruktion unter Dachstuhl.
  • Befall. Aktiver Insekten- oder Pilzbefall wird vor der Dämmung von Holzschutz-Sachverständigen beurteilt. Reparatur heißt im Altbau: schadhafte Teile zimmermannsmäßig ersetzen oder anlaschen, nicht den Dachstuhl erneuern.

Und bevor jemand etwas abreißt: Wellplatten und kleinformatige „Kunstschiefer”-Platten aus Faserzement können bis in die frühen 1990er Asbest enthalten. Mineralwolle, die vor etwa der Jahrtausendwende eingebaut wurde, gilt als krebsverdächtig, und viele Dachstühle wurden in den 1960ern bis 1980ern mit Holzschutzmitteln behandelt, die man heute nicht mehr im Haus haben will. Das alles ist kein Fall für Eigenleistung, sondern für Labor und Fachbetrieb – Näheres unter Schadstoffe.

Dämmen in der Schräge: drei Wege

Variante Wie Spricht dafür Spricht dagegen
Zwischensparrendämmung von innen Dämmstoff zwischen die Sparren, innen luftdichte Ebene Deckung bleibt drauf, günstig Sparren oft nur 12–16 cm hoch und krumm; ohne Unterdeckung riskant
Zwischen- plus Untersparrendämmung zusätzlich Dämmlage unter den Sparren bessere Dämmwerte, Installationsebene Raumhöhe schrumpft, Dachstuhl verschwindet hinter Verkleidung
Aufsparrendämmung von außen Dämmung auf die Sparren, neue Deckung Dachstuhl bleibt innen sichtbar, keine Wärmebrücken, Räume bleiben bewohnbar Dach wird höher: Traufe, Ortgang, Anschlüsse ändern sich; teuer; im Denkmal oft heikel

Steht ohnehin eine Neueindeckung an, ist die Sanierung von außen meist der bessere Weg, weil dann eine ordentliche Unterdeckung eingebaut werden kann. Wer von innen zwischen den Sparren dämmt und darüber nur alte Ziegel ohne Unterdach hat, baut einen Schwamm unter ein Sieb: Flugschnee und Schlagregen landen direkt im Dämmstoff.

Der Schichtaufbau, der funktioniert

Von außen nach innen: Deckung, Lattung und Konterlattung mit Hinterlüftung, diffusionsoffene Unterdeckung (etwa Holzfaserplatten), Dämmung, luftdichte Ebene mit Dampfbremse, Installationsebene, Bekleidung. Die Regel dahinter: nach außen immer offener werden, damit Feuchte, die hineingerät, wieder hinausfindet. Feuchtevariable Dampfbremsen geben zusätzliche Sicherheit.

Die Luftdichtheit entscheidet sich an den Anschlüssen – Giebelwand, Pfetten, Kehlbalken, Kamin, Dachfenster. Alte Dachstühle mit ihren vielen durchdringenden Hölzern sind dafür eine Geduldsprobe. Eine Luftdichtheitsprüfung vor dem Schließen der Bekleidung findet Lecks, solange man noch hinkommt.

Welcher Dämmstoff?

Unterm Dach zählt neben dem Winter auch der Sommer. Schwere, speicherfähige Stoffe wie Holzfaser oder Zellulose verzögern die Hitze spürbar besser als leichte. Außerdem können sie Feuchte puffern, was zu alten Holzkonstruktionen passt. Einen Überblick gibt Dämmstoffe, die zum Altbau passen.

Die Statik redet mit

Alte Dachstühle sind oft sparsam dimensioniert und haben trotzdem zweihundert Jahre gehalten – mit der Last, für die sie gebaut wurden. Dämmung, Unterdeckung, Bekleidung und womöglich eine schwerere Deckung summieren sich. Wer von Blech oder Legschindeln auf Tonziegel wechselt, vervielfacht das Gewicht. Auch Photovoltaik bringt Last und Windsog. Das rechnet die Tragwerksplanung, nicht das Bauchgefühl.

Umgekehrt gilt: Alte Biberschwänze und handgestrichene Ziegel sind häufig besser als ihr Ruf. Gute Dachdecker sortieren aus, decken um und ergänzen mit Altmaterial. Das spart Geld und erhält das Bild – siehe Dachdeckungen.

Woran man gern zu spät denkt

  • Untermieter. Fledermäuse, Mauersegler, Schwalben und Eulen sind geschützt. Quartiere dürfen nicht einfach verschlossen werden. Vor der Sanierung klären, im Zweifel mit der Unteren Naturschutzbehörde; meist findet sich eine Lösung über Bauzeiten und Ersatzquartiere.
  • Kamin. Anschlüsse, Kaminkopf, Abstände brennbarer Bauteile: mit dem Kaminkehrer abstimmen, bevor gedämmt wird.
  • Dachüberstand. Eine Aufsparrendämmung verändert Traufe und Ortgang. Wird der Überstand dabei gekappt, leidet die Fassade.
  • Denkmal und Ortsbild. Neue Deckung, Dachfenster, Gauben, Solaranlagen sind im Denkmal erlaubnispflichtig und auch sonst manchmal durch Satzungen geregelt.
  • Rechtliches. Das Gebäudeenergiegesetz kennt Anforderungen an die oberste Geschossdecke und an Dächer, wenn sie erneuert werden, mit Ausnahmen unter anderem für Denkmale. Den aktuellen Stand klärst du mit der Energieberatung – ebenso die Förderung, die vor Auftragsvergabe beantragt sein muss.
  • Gerüst und Wetter. Ein offenes Dach braucht eine Notabdeckung und einen Betrieb, der sie auch am Freitagnachmittag ernst nimmt.

Wer macht was

Zimmerei für Tragwerk und Reparaturen, Dachdeckerei für Deckung und Unterdach, Spenglerei für Bleche und Rinnen, Tragwerksplanung für Lasten, Energieberatung für Aufbau und Förderung. Arbeiten auf dem Dach sind wegen der Absturzgefahr nichts für Eigenleistung. Was du selbst tun kannst: den Speicher entrümpeln und nach Planung die oberste Geschossdecke dämmen.

Kurz gesagt

  • Wird der Dachraum nicht bewohnt: oberste Geschossdecke dämmen, Dach kalt lassen – günstig, wirksam, robust.
  • Erst Dachstuhl und Deckung reparieren, dann dämmen. Nie Schäden einpacken.
  • In der Schräge gilt: innen luftdicht, nach außen diffusionsoffen, mit Unterdeckung.
  • Zusätzliche Lasten aus Dämmung, Deckung und Solar gehören zur Tragwerksplanung.
  • Asbestzement, alte Mineralwolle und belastetes Holz sind Sache von Labor und Fachbetrieb.
  • Artenschutz, Kamin, Denkmal und Förderung vor Baubeginn klären.

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