Woran du veraltete Installationen erkennst, wie Leitungen substanzschonend durchs alte Haus kommen und warum hier fast alles Sache des Fachbetriebs ist.
Leitungen sind der Teil des Hauses, den keiner sieht und für den keiner Komplimente bekommt. Trotzdem fließt ein erheblicher Teil des Budgets hinein – zu Recht. Eine Elektroanlage von 1960 ist ein Brandrisiko, ein Bleirohr ein Gesundheitsrisiko und eine gebrochene Grundleitung durchfeuchtet dir das Fundament. Die gute Nachricht: Wenn ohnehin saniert wird, ist jetzt der richtige Moment.
Elektro: Woran du eine alte Anlage erkennst
- Sicherungskasten mit Schraubsicherungen aus Porzellan, wenige Stromkreise für das ganze Haus.
- Kein Fehlerstrom-Schutzschalter (FI beziehungsweise RCD), der bei Fehlerströmen in Sekundenbruchteilen abschaltet.
- Zweiadrige Leitungen ohne eigenen Schutzleiter. Bei der früher üblichen „klassischen Nullung” wurde der Schutzkontakt der Steckdose einfach mit dem Neutralleiter gebrückt – bei einem Leiterbruch steht dann das Gerätegehäuse unter Spannung.
- Stoff- oder gummiummantelte Leitungen, bröselnde Isolierungen, Stegleitungen direkt im Putz, Schalter aus Bakelit, Steckdosen ohne Schutzkontakt.
- Verlängerungskabel als Dauerlösung, Verteilerdosen hinter Holzverkleidungen, Spuren von Wärme an Dosen.
Der vielzitierte Bestandsschutz hilft wenig: Er endet, wo Gefahr besteht, und sobald die Anlage wesentlich geändert oder erweitert wird, gelten für die neuen Teile die heutigen Regeln. Ein Elektrofachbetrieb prüft die Anlage und sagt dir, was bleiben kann. In den meisten Häusern mit Installationen aus der Zeit vor etwa 1970 lautet das Ergebnis: alles neu. Finger weg von eigenen Versuchen – Arbeiten an der Elektroanlage sind ausschließlich Sache eingetragener Fachbetriebe.
Was zur neuen Anlage gehört
Ein neuer Zählerschrank nach den Vorgaben des Netzbetreibers, FI-Schutz für alle Stromkreise, Überspannungsschutz, Potentialausgleich und eine Erdungsanlage. Alte Häuser haben keinen Fundamenterder; als Ersatz dienen Ring- oder Tiefenerder, was der Betrieb plant. Dazu ausreichend viele Stromkreise, Leerrohre für später und Netzwerkleitungen. Kläre früh, ob der Hausanschluss für Wärmepumpe, Wallbox, Durchlauferhitzer und Photovoltaik reicht – eine Verstärkung durch den Netzbetreiber dauert oft Monate.
Leitungen führen, ohne das Haus zu zerlegen
Der Standardweg des Neubaus – Schlitze in die Wand fräsen – ist im Altbau oft der schlechteste:
- In Bruchsteinmauerwerk reißt die Fräse Steine heraus, der Schlitz wird zur Schneise. Waagrechte Schlitze in tragenden Wänden schwächen zudem den Querschnitt; was zulässig ist, gehört im Zweifel vor die Tragwerksplanung.
- Im Blockbau und an Fachwerkhölzern wird nicht geschlitzt. Punkt.
- Historische Putze und Fassungen gehen beim Schlitzen unwiederbringlich verloren. Im Denkmal ist die Leitungsführung deshalb Teil der Abstimmung mit der Behörde.
Die besseren Wege: Leitungen im Fußbodenaufbau oder im Hohlraum der Holzbalkendecken führen (mit Blick auf Brandschutz und Schüttung), Sockelleistenkanäle, stillgelegte Kamine und vorhandene Schächte als Steigzonen nutzen, Installationsebenen vor neuen Wandaufbauten. Und die sichtbare Aufputzinstallation mit Metallrohr oder textilummantelten Leitungen und Porzellanschaltern ist kein Notbehelf, sondern sieht in vielen Stuben schlicht richtig aus. Durch eine Innendämmung und ihre luftdichte Ebene gehören möglichst keine Dosen.
Geschlossen werden Schlitze mit dem Material der Wand, also Kalk- oder Lehmmörtel, nicht mit Gips oder Zement. Gips zieht auf feuchte- und salzbelasteten Wänden Schäden nach sich; sprich mit dem Elektrobetrieb ab, womit Dosen gesetzt werden. Warum das Material zählt, steht unter Kalk.
Trinkwasser
Was du vorfindest
- Blei. Weiche, graue Rohre, die sich mit dem Schraubenzieher silbrig anritzen lassen und dumpf klingen. In Süddeutschland seltener als im Norden, aber nicht ausgeschlossen. Bleileitungen sind nach der Trinkwasserverordnung nicht mehr zulässig und müssen ersetzt werden; Einzelheiten klären Installationsbetrieb oder Gesundheitsamt.
- Verzinkter Stahl. Nach Jahrzehnten innen zugewachsen und durchgerostet: braunes Wasser nach Standzeiten, schwacher Druck, Rostpusteln an den Gewinden.
- Kupfer aus späteren Umbauten, oft noch brauchbar, aber selten sinnvoll in ein neues Netz integrierbar.
- Eigener Brunnen. Auf Einödhöfen nicht selten. Wer Wasser aus einem Hausbrunnen als Trinkwasser nutzt, hat Untersuchungspflichten; das Gesundheitsamt ist der Ansprechpartner. Wo eine öffentliche Versorgung anliegt, gilt in der Regel Anschlusszwang.
Worauf es bei der Erneuerung ankommt
Arbeiten an der Trinkwasserinstallation dürfen nur Betriebe ausführen, die beim Wasserversorger eingetragen sind. Als Bauherr solltest du auf drei Dinge achten: kurze Leitungswege ohne tote Stränge (stehendes Wasser verkeimt, Stichwort Legionellen), frostsichere Führung – also nicht in der ungedämmten Außenwand, nicht hinter der Innendämmung, nicht durch den kalten Stadel – und Absperr- und Entleerungsmöglichkeiten für Gebäudeteile, die im Winter unbeheizt bleiben. Kaltwasserleitungen brauchen eine Dämmung gegen Schwitzwasser, sonst tropft es im Sommer in den Fehlboden.
Bäder über Holzbalkendecken sind machbar, verlangen aber eine sorgfältige Abdichtung und eine Konstruktion, bei der ein Leck auffällt, bevor der Balkenkopf fault.
Abwasser
Was unter dem Haus und im Hof liegt, ist oft das größte Fragezeichen. Alte Grundleitungen aus Steinzeug oder Beton haben Wurzeleinwuchs, versetzte Muffen und Brüche; manches Fallrohr endet schlicht im Erdreich neben dem Fundament – und wird so zur Ursache für feuchte Wände. Eine Kamerabefahrung durch einen Fachbetrieb kostet wenig und klärt Zustand und Verlauf.
Auf dem Land kommt dazu:
- Kein Kanalanschluss. Dann braucht es eine Kleinkläranlage nach heutigem Stand. Alte Dreikammergruben genügen meist nicht mehr. Ansprechpartner sind Gemeinde und Landratsamt; das Thema gehört vor den Kauf, weil es schnell fünfstellig wird (Richtwert, Stand Mitte der 2020er, regional stark schwankend).
- Regenwasser wird vielerorts getrennt behandelt und soll versickern oder eigens abgeleitet werden. Die Entwässerungssatzung der Gemeinde sagt, was gilt.
- Alte Gruben. Odel- und Sickergruben sind häufig nur mit morschen Bohlen oder dünnen Betonplatten abgedeckt und können gefährliche Gase enthalten. Nicht betreten, nicht hineinsteigen, absperren und fachgerecht verfüllen oder umnutzen lassen.
- Rückstau. Liegen Abläufe unter der Rückstauebene, braucht es eine Sicherung.
Alte Abwasser- und Lüftungsrohre können aus Asbestzement bestehen. Nicht sägen, nicht brechen – siehe Schadstoffe.
Gas
Gasleitungen und Gasgeräte sind ausnahmslos Sache zugelassener Fachbetriebe. Bei Gasgeruch: Fenster auf, keine Schalter betätigen, raus, Netzbetreiber anrufen. Mehr gibt es dazu für Laien nicht zu sagen.
Reihenfolge und Koordination
Die Rohinstallation kommt nach Rückbau und Rohbau-Reparaturen und vor Putz, Dämmung und Estrich. Elektro, Sanitär, Heizung und gegebenenfalls Lüftung konkurrieren um dieselben Schächte und Deckenfelder, deshalb lohnt ein gemeinsamer Termin mit allen Gewerken, bevor der erste Schlitz entsteht. Stemm- und Schlitzarbeiten lassen sich nach Absprache teils selbst übernehmen, siehe Eigenleistung.
Und bevor irgendetwas geschlossen wird: fotografieren. Jede Wand, jede Decke, mit Zollstock im Bild. Dieser Ordner ist in zwanzig Jahren Gold wert. Was die Haustechnik am Gesamtbudget ausmacht, steht unter Kosten und Budget.
Kurz gesagt
- Elektroanlagen ohne FI und Schutzleiter sind ein Sicherheitsrisiko; in Häusern mit Installationen vor etwa 1970 läuft es meist auf eine Kompletterneuerung hinaus.
- Leitungen im Altbau möglichst in Böden, Decken, Schächten oder sichtbar auf Putz führen – nicht durch Bruchstein, Blockwand oder historischen Putz fräsen.
- Bleirohre müssen raus, verzinkte Stahlrohre sind meist am Ende; neue Leitungen kurz, frostsicher und ohne tote Stränge.
- Abwasser früh per Kamera prüfen lassen; ohne Kanalanschluss vor dem Kauf die Kläranlagenfrage klären.
- Elektro, Trinkwasser und Gas sind keine Eigenleistung.
- Alles fotografieren, bevor es verschwindet.